Berlin : Ein 27-jähriger Bankangestellter ist offenbar mit 3,2 Millionen Mark auf der Flucht

CS

Michael Vorholzer soll das Geld aus Geldautomaten und Tresoren erbeutet haben und wird mit internationalem Haftbefehl gesuchtCS

Seit knapp zwei Monaten wird nach ihm mit Hochdruck und in aller Stille gefahndet - doch nun geht die Kriminalpolizei an die Öffentlichkeit und hofft auf Tips aus der Bevölkerung: Der Berliner Bankangestellte Michael Vorholzer soll am 27. August dieses Jahres in einer Filiale der Berliner Sparkasse in Wilmersdorf als Kassierer insgesamt 3,2 Millionen Mark veruntreut haben. Seither wird der 27-Jährige mit internationalem Haftbefehl gesucht. Nach den bisherigen Ermittlungen erbeutete er die riesige Summe aus Geldautomaten, aus einem Tresor sowie in Form von Reiseschecks. Sein letzter bekannter Aufenthaltsort war München, wo Beamte sein Auto am 19. Oktober sicherstellten. Es stand leer am Straßenrand. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, hat die betroffene Bank eine Belohnung von 100 000 Mark ausgesetzt.

Michael Vorholzer hat seine Tat offenbar sehr langfristig geplant und äußerst raffiniert begangen. Denn nach Recherchen des Tagesspiegels gibt es bei den Banken mehrere Sicherheitssysteme, die vermeiden sollen, dass ein Mitarbeiter der Verführung des Geldes erliegt. Zum einen werden die Kassen täglich zu zweit abgerechnet. Darüber hinaus dürfen Tresore mit größeren Beträgen nur in Begleitung eines Kollegen betreten werden und bei Geldautomaten gilt gleichfalls das "Vier-Augen-Prinzip": Man darf sie nur gemeinsam füllen und abrechnen.

"Da hat ein Kollege des Täters möglicherweise geschlafen oder war zu vertrauensselig", kommentierte der Sicherheitsverantwortliche einer großen Berliner Bank auf Anfrage den Fall. Die Polizei schließt nicht aus, dass sich Vorholzer einen Nachschlüssel zum Tresor besorgt hat und den Geldspeicher außerhalb der Geschäftszeiten betrat.

Die Reiseschecks kann er sich nach Auskunft von Bankexperten durch einen heimlichen Griff in die Depots für diese Papiere beschafft haben. Dort lagern Zahlungsanweisungen in der Regel, bevor sie an die Kunden ausgegeben und mit deren Erstunterschrift versehen werden. Gemeinsam mit der Kontrollnummer und einer zweiten Unterzeichnung am Reiseziel, kann man sie dann einlösen. Bekam der Täter einen Stapel Reiseschecks in die Hand, hat er folglich die Möglichkeit, sich mit beiden Unterschriften eine Menge Geld zu verschaffen - es sei denn, die Nummern der entwendeten Schecks sind bereits international bekannt.

Michael Vorholzer wohnte zuletzt am Tierpark in Lichtenberg. Als Tatmotiv vermutet die Polizei größere Schulden. Außer seiner Liebe zu Motorrädern habe er allerdings kein teures Hobby gehabt und auch nicht auf großem Fuß gelebt. Er sei eher bescheiden aufgetreten. Volkholzer ist 1,80 Meter groß, schlank, hat blaugraue Augen, dunkelbraune Haare, ist Brillenträger und trug zuletzt einen Oberlippenbart.Wer bei den Ermittlungen weiterhelfen kann, wird gebeten, sich im Landeskriminalamt unter der Rufnummer 7672 56666 zu melden.
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