Berlin : Ein alter Bekannter der Justiz – mit 22 Jahren

Er wurde verurteilt wegen Raubes und versuchten Mordes. Dann kam er frei. Jetzt steht Emir O. wieder vor Gericht.

Kerstin Gehrke

Mit seinen 22 Jahren ist Emir O. (Name geändert) ein alter Bekannter für die Justiz. Mit 14 wurde der Sohn einer libanesischen Großfamilie das erste Mal festgenommen. Es beeindruckte ihn wenig. Er raubte weiter Jugendliche aus, erbeutete beim „Abziehen“ einen Rucksack oder ein paar Mark, stach schließlich lebensgefährlich zu. Zweimal wurde der „Intensivtäter“ zu Haftstrafen verurteilt. Nur wenige Wochen nach der letzten Entlassung aus dem Gefängnis soll er wieder zugeschlagen haben. Seit gestern muss er sich wegen Raubes und zwei Schlägereien vor dem Berliner Landgericht verantworten.

Emir O. ist kein bulliger Typ und eher klein. Er ist in Wedding aufgewachsen. Mit neun Geschwistern. Er wechselte fünfmal die Schule, einen Beruf hat er nicht erlernt. Vor Gericht sagte O., er sei leider ein leicht reizbarer Mensch. „Ich rege mich immer schnell auf, deswegen hatte ich schon in der Schule Probleme.“ Einmal soll er auf dem Schulhof einen Lehrer mit einem Messer bedroht haben. Weil der einen Streit schlichten wollte. Das war 1996. In dem Jahr stach er dann eines seiner jugendlichen Opfer auf einem U-Bahnhof nieder. Deshalb wurde Emir O. im Februar 1997 wegen versuchten Mordes zu einer dreijährigen Jugendstrafe verurteilt. Nach zwei Jahren und drei Monaten kam er auf Bewährung frei. Ein Jahr später stand er nach fünf weiteren Raubzügen, bei denen er Geld, Uhren oder Handys „abzog“, wieder vor Gericht. Die noch nicht vollständig verbüßte Strafe wurde auf fünfeinhalb Jahre „aufgestockt“. Bis März letzten Jahres saß O. in Haft. Im April soll er wieder gewalttätig geworden sein.

In einer Diskothek in Reinickendorf kam es zu einem Gerangel auf der Tanzfläche. „Ich war sauer, weil mich jemand angerempelt hatte“, sagte O. im Prozess. Da habe er dem anderen Diskobesucher seine Faust ins Gesicht gedrückt. Kurz danach soll er einem weiteren Gast am Tresen eine Flasche auf den Kopf geschlagen haben. Der Mann erlitt Platzwunden und eine Schädelprellung. Dafür aber will O. nicht verantwortlich sein. „Das war ich nicht“, beteuerte er. Zum Vorwurf des Raubes schwieg der junge Mann. Dabei geht es um einen Überfall vier Monate nach der Schlägerei. O. und drei bislang unbekannte Mittäter sollen einen Mann am U-Bahnhof Voltastraße aus dem Zug gezerrt, misshandelt und ausgeraubt haben. Emir O. hofft nun auf die Aussage seiner Eltern und ein Alibi. Sie können angeblich bezeugen, dass er zum fraglichen Zeitpunkt zu Hause war. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt.

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