Berlin : Ein Anleger, der verzichten will

Stefan Sinell ist an einem Bankgesellschafts-Fonds beteiligt. Staatliche Garantien will er nicht in Anspruch nehmen

Ulrich Zawatka-Gerlach

Stefan Sinell findet das „unanständig“: Erst einen Immobilienfonds zeichnen und dann, wenn die Vermögensanlage keine Gewinne mehr ausschüttet, den Staat in Anspruch nehmen. Der Geschäftsführer eines Designbüros und Unternehmensberater hatte 1995 am Jahresende 30000 Mark übrig, er rief seinen Kreditberater bei der Sparkasse an und der empfahl ihm den „LBB Fonds 4“. Diese Fonds der Bankgesellschaft Berlin seien super: „Alle unsere Vorstände haben die auch.“ Sinell griff zu: 8000 Mark Steuerersparnis und 5,5 Prozent Zinsen schon im ersten Jahr, außerdem Miet- und sonstige Garantien über 25 Jahre. Das las sich gut im Prospekt. Aber inzwischen sind viele Fonds der Landesbank Berlin (LBB) nicht mehr in der Lage, den Anlegern die versprochenen Gewinne auszuschütten.

Nun soll die Bankgesellschaft – und somit das Land Berlin – die vertraglich abgesicherten Garantien einlösen. Das heißt, sie soll aus Steuergeldern bares Geld auszahlen. Manche Fondszeichner fordern das lauthals und werfen dem Finanzsenator Thilo Sarrazin vor, die Garantiezahlungen absichtlich hinauszuzögern. Stefan Sinell will den Staat aber nicht bemühen. Er würde am liebsten eine Initiative der Fondseigner gründen, die auf Garantiezahlungen der öffentlichen Hand wenigstens teilweise verzichten. „Das sind doch alles Freiberufler und Mittelständler, die wissen, dass zum Geld verdienen wirtschaftliches Risiko gehört.“

Damals, als Sinell die Fondsanteile kaufte, hatte die Bankgesellschaft noch einen tadellosen Ruf. „Das war der Hauptsponsor des Tennisclubs Rot-Weiß, wo der CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky zusammen mit Richard von Weizsäcker auf der Ehrentribüne saß.“ An den größten Skandal der deutschen Bankengeschichte war noch nicht zu denken und der Diplom-Designer Sinell nahm zum ersten Mal 2001 an einer Gesellschafterversammlung seines LBB-Fonds teil. Richtige Krisenstimmung kam aber erst zwei Jahre später auf. „Wir Anleger sind total verunsichert“, steht im jüngsten Bericht des Verwaltungsrates. Der will jetzt für eine Sonderprüfung, denn es gebe Hinweise darauf, „dass es bei der Auflegung der Fonds und während der Betriebsphase zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein könnte“.

Der Fondsgesellschaft IVB in Nürnberg wird außerdem eine schlechte Informationspolitik vorgeworfen, aber das Hauptproblem seien „fehlende Zahlungen der für die Garantien verpflichteten Bankgesellschaft und ihres Hauptaktionärs, des Landes Berlin“. Im Herbst ist wieder Gesellschafterversammlung für den „LBB Fonds 4“. Bis dahin hofft der Mitgesellschafter Sinell, für seinen Vorschlag nach einem Garantieverzicht wackere Mitkämpfer zu finden. „Wer eine staatlich garantierte Verzinsung haben will, soll Schuldverschreibungen kaufen, aber keine Immobilienfonds.“ Es reiche doch aus, sich mit der Steuerersparnis zu begnügen: 100 Prozent Abschreibung in den ersten zwei Jahren. Vielleicht könne man sich zusätzlich auf die bescheidene Verzinsung öffentlicher Anleihen vergleichen. Leider herrsche bei den Fondsanlegern derzeit eine „Rette sich wer kann“-Stimmung vor, bedauert Sinell. Deshalb wolle er ein positives Signal setzen. Nicht weil er ein guter Mensch sei, „sondern im Sinne der Volkswirtschaft“.

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