Berlin : Ein Bad für Genießer

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Generationen von Schulklassen haben im Hubertusbad ihre ersten Schwimmversuche unternommen, Tausende Besucher ihre Bahnen gezogen. Zur Eröffnung, vor 73 Jahren, galt es sogar als modernste deutsche Schwimm- und Heilbadeanstalt. Doch die Zeiten des fröhlichen Planschens sind längst vorbei. Seit nunmehr zehn Jahren ist das architektonische Kleinod an der Hubertusstraße 47/48, unmittelbar am Oskar-Ziethen-Krankhaus, geschlossen und verfällt zusehends.

Der Putz bröckelt, Dach und Fenster sind undicht, Tauben haben sich eingenistet, Unkraut wuchert an der Fassade. "Ein erbärmlicher Anblick, der endlich beseitigt werden muss", sagt Jürgen Hofmann vom Verein "Hupe e.V.". Zusammen mit etwa 30 Lichtenbergern engagiert er sich für die Wiedereröffnung des Bades. Hofmann hat mittlerweile einen potentiellen Investor ausfindig gemacht, der nach einer denkmalgerechten Sanierung ein Bad für gehobene Ansprüche" öffnen möchte.

"Keine Volksschwimmhalle, sondern einen Ort zum Entspannen und Relaxen", erklärt Peter Forst, Niederlassungsleiter der Stangl AG für Haustechnik. Gemeinsam mit dem Schweizer Schwimmbad-Betreiber Kannewischer würde er die Becken gerne umbauen. Geplant sind Whirlpools- und Saunalandschaften, Moorbäder, Massagesalons, ein Frisör und ein Fitness- Studio. Auch das benachbarte Krankenhaus will man als Partner gewinnen. "Die Patienten könnten dann im Bad kuren und im selben Haus in extra eingerichteten Appartements wohnen", blickt Jürgen Hofmann in die Zukunft.

Für die Stangl AG, als Haustechnik-Unternehmen, wäre das jedenfalls "ein sehr interessantes, aber völlig neues Betätigungsfeld", sagt Forst. Er geht davon aus, dass mindestens 48 Millionen Mark in die umfangreiche Sanierung zu stecken sind. Aber noch ist unklar, wann überhaupt mit den dringend notwendigen Bauarbeiten begonnen wird. Denn die Stangl AG will sich nach Auskunft von Peter Forst nicht als alleiniger, voll haftender Gesellschafter der Sache annehmen. Das Risiko sei zu groß.

Mitte November wird es deshalb ein Gespräch mit den Mitgliedern der sogenannten "Steuerungsrunde" geben. Neben dem Verein und der Stangl AG nehmen voraussichtlich der Bezirk und der Liegenschaftsfonds daran teil. Forst ist überzeugt, dass eine Landesbürgschaft die Chancen entscheidend beschleunigen könnte. Baustadtrat Andreas Geisel (SPD) befürwortet das Konzept des potentiellen Investors und glaubt, dass es sich rechnet. "Das Ambiente dieses architektonischen Juwels mit seinem kubistisch- expressionistischen Baustil stimmt einfach", sagt der Politiker.

Eröffnet wurde das Hubertusbad 1928 mit zwei Schwimmhallen, getrennt für Frauen und Männer. Es gab auch 74 Wannenbäder, 48 Brauseanlagen, eine medizinische Kuranstalt und ein Luft- und Sonnenbad. Begonnen hatte das Sterben des Bades schon 1986, als eine Schwimmhalle wegen defekter Fenster dicht gemacht werden musste. Trotz der endgültigen Schließung war man im Bezirk lange Zeit optimistisch, das marode Bad mit eigenen Mitteln sanieren zu können. Bis 1994 wurde es sogar noch beheizt.

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