Berlin : Ein Bär aus Berlin als Nordkoreas Friedensbote

Zwei Künstler aus Pjöngjang bemalen einen Buddy für Seoul

Lothar Heinke

Die Sensation ist perfekt: In einer Spandauer Fabrikhalle bemalen zwei nordkoreanische Künstler aus der Hauptstadt Pjöngjang einen Buddybären mit Motiven ihrer Heimat. Wenn das Kunstwerk fertig ist, bringt die Lufthansa die Figur in die Hauptstadt des anderen koreanischen Staates, nach Seoul. Dort wird heute der große Kreis der 125 Berliner Buddys, die jeweils ein Land symbolisieren, eröffnet. Neben dem südkoreanischen Bären wird ein Platz freigehalten – für den nordkoreanischen Bruder aus dem wiedervereinigten Berlin. Beide sollen dann Hand in Hand für die Wiedervereinigung des geteilten Landes werben.

„Das war unser Wunsch“, sagt Eva Herlitz von der Buddy Bär Berlin GmbH, „aber es bedurfte neun Monate intensivster Verhandlungen, bis der Traum Wirklichkeit geworden war“. Das Auswärtige Amt, die deutsche Botschaft in Nordkorea, das Goethe-Institut, auch die Botschaft der Volksrepublik Korea in Berlin und der südkoreanische Wiedervereinigungsminister telefonierten lange, bis die beiden Künstler aus- und via Peking und Frankfurt in Tegel einreisen durften. Zehn Tage Berlin, ins ferne Deutschland!

Der 49-jährige Rim Chang-bok und sein 27-jähriger Kollege Kim Ik-hyon sind nach ihrem vierjährigen Kunststudium in einer Art Kunstkombinat namens „Mansudae“ in Pjöngjang beschäftigt und mehrfach ausgezeichnet für Plastiken, Kunst am Bau und Filmplakate. Natürlich freuen sie sich, hier zu sein und etwas für die Wiedervereinigung ihres Landes zu tun. (Der einfachere Weg wäre natürlich gewesen, den Bären in Seoul zu bemalen. Aber die Verhältnisse, die sind noch nicht so). Die beiden Maler finden Berlin ganz toll, sind von der abendlichen Lichterfülle geblendet und fühlen sich am wohlsten bei ihren Malerfreunden, den Alten Meistern im Kulturforum. Der Berliner Dom hat sie sehr beeindruckt, das KaDeWe steht ihnen heute bevor, ehe sie am Montag zurückfliegen. Sie freuen sich, dass ihr Buddybär mit auf die Welttournee geht, und wenn er zurückkehrt, möchten sie ihn in einem wiedervereinigten Korea begrüßen.

Auch der Bär trägt schon mal Wiedervereinigung: Oben, auf der Brust, haben sie ihm den nördlichen Paekdusan-Berg hingetupft, unten herum dehnt sich das südliche Hanasan-Massiv, beides attraktiv verbunden vom glänzenden Regenbogen. Auf dem Diamantengebirge blitzen die Sterne, dazwischen fliegen Feen mit flatternden Gewändern. Wenigstens die Sagenwelt scheint nicht geteilt zu sein in dem fernen zerschnittenen Land. Projektmanager Michael Stefanescu erläutert die zusätzliche Symbolkraft der Bären-Skulptur: „Der Petz ist das Sinnbild für eine Art Urmutter im koreanischen Schöpfungsmythos. Der besagt, dass 2333 vor Christus ein himmlisches Wesen auf die Erde kam, das einem Bären und einem Tiger versprach, denjenigen in einen Menschen zu verwandeln, der 100 Tage in einer Höhle ausharren würde, nur mit Knoblauch und Beifuß als Nahrung. Der Bär bestand die harte Prüfung und wurde zur Belohnung in eine schöne Frau verwandelt. Das himmlische Wesen verliebte sich in sie, und die Gründer Koreas wurden gezeugt.“ So einfach ging das mit dem Buddy von damals.

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