Berlin : Ein Bär geht um die Welt

Heute Nacht ist die Buddy-Schau am Pariser Platz geöffnet, aber Ende November sind die Wappenpetze weg

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Von Lothar Heinke

Normalerweise sind die 125 Bären am Pariser Platz nach Sonnenuntergang allein auf weiter Flur – das Gelände der amerikanischen Botschaft wird geschlossen. Am heutigen Freitag und auch morgen aber sorgen lange Nächte der vereinigten Buddy-Bären dafür, dass die internationale Bären-Familie am Brandenburger Tor bis weit nach Mitternacht besucht werden kann. Ein Helium-Ballon erhellt den „Kreis der Toleranz und Völkerverständigung“, wie Klaus Herlitz seine Bären-Aktion bezeichnet. „Wer Zeit und Lust hat, soll sich auch in einer lauen Sommernacht unsere Ausstellung ansehen. Dabei kann er mit vielen Künstlern, die die Bären nach Motiven ihrer Heimatländer bemalt haben, ins Gespräch kommen“, sagt der Bären-Vater und fügt stolz hinzu, dass seit der Eröffnung der Bären-Schau am 20. Juni mehr als 600 000 Besucher zwischen Ägypten und der Zentralafrikanischen Republik gelustwandelt sind – und das in einem aus bunt bemalten Plastikbären bestehenden Kreis auf einer Wiese, die die US-Botschaft den Bärenchefs für einen € vermietet hat.

Der Kaufmann Klaus Herlitz scheint selbst vom Erfolg seiner Bären-Aktion überrascht. Die Botschafter fast aller beteiligten Länder parkten mittlerweile ihre Limousinen neben dem Brandenburger Tor, um der bärenhaft jubelnd vereinten Völkergemeinde ins Auge zu blicken. Sogar Bundespräsident Johannes Rau nahm sich letztens Zeit zu einem Bären-Besuch und sah, wie Berliner, Touristen, Schulklassen und Busse voller Berlin-Ausflügler die Bären umschwärmten, hier und da Erdkunde betrieben und sich mal schnell mit Italiens Buddy oder dem Barbados-Bären fotografierten. So unterschiedlich die Reaktionen – schwankend zwischen „Edelkitsch“ und „tolle Aktion für Multikulti“ – auch sein mögen: Der Bärenreigen war wohl der touristische Renner dieser Saison. Man fragt sich natürlich, woher Klaus und Eva Herlitz, die auch die Buddy-Bär-Show auf Berliner Straßen und Plätzen erfunden haben, diesen Bären-Tick haben. Sammeln sie Teddys? Liegen die Wurzeln in der Kindheit beim guten alten Teddybären? Herlitz, Geschäftsführer einer eigenen Buddy-Bär-Berlin GmbH, lacht. Nichts von alledem. Nur „ein Ausdruck großer Verbundenheit zu Berlin und damit zu seinem Wappentier“. Und vielleicht auch weitsichtiges geschäftliches Kalkül.

Das Interesse, sich einen Bären ins Bürofoyer oder vor die eigene Firma zu stellen, ist groß, ebenso der Wunsch, einen Buddy zu ersteigern. Über 30 000 Euro kamen bisher bei Bären-Versteigerungen für gute Zwecke zusammen. So erzielte Christina Rau über 3000 Euro, Wolf-Dieter Poschmann vom ZDF kam beim WM-Bär vom ZDF-Studio unter dem Dach des Sony-Centers auf 5555 Euro, der „Uhrbärliner“ von der Firma Sedlatzek erzielte 3600 Euro für „Sterntaler e.V.“. Die Mc Paper-AG hat sechs Kitas mit Bären beschenkt, ein Bär steht vor der Berliner Stadtmission am Bahnhof Zoo, Bären grüßen mittlerweile als Stadt-Geschenke in Rom, Bratislava, Warschau, Prag und demnächst in Los Angeles. Und ein Bär wacht am Bowling Green im Süden Manhattans – ein Herlitz-Geschenk nach dem 11. September für New York.

Hier in Berlin ist die Zukunft des öffentlichen Bären ungewiss. 125 stehen am Pariser Platz, 300 im öffentlichen Straßenland, 100 im nicht-öffentlichen Bereich und 100 außerhalb Berlins. Die Buddys bleiben bis Ende November an ihrem Platz, werden aber ab 5. November im Internet versteigert, wenn sie nicht von den Ländern, die sie verkörpern, erworben werden. Die Sondernutzungsrechte fürs Straßenland laufen Ende des Jahres aus, aber Bären auf privatem Gelände bleiben als Erinnerung.

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