Berlin : Ein Bier, ein Korn – und keine Kippe

Am Nichtrauchertag wurde Berlins erste qualmfreie Eckkneipe ausgezeichnet

Christoph Stollowsky

Anfangs staunte Detlef Marx selbst über seine Waghalsigkeit. Denn etliche Raucher unter seinen Stammgästen protestierten heftig, als er am 1. Januar die Aschenbecher vom Tresen seiner Altberliner Kneipe im Moselviertel in Weißensee wegräumte und ein großes Schild aufhängte: „Nichtraucherkneipe“. Einige meinten, das sei ein Silvesterscherz – doch als er sie bei der nächsten Kippe höflich bat, nach draußen zu gehen, gab es in der „Trarbacher Klause“ erst so richtig dicke Luft. Und danach ging die Zahl der Gäste und damit der Umsatz bei Detlef Marx anfangs um die Hälfte zurück.

Mut aber machte ihm gestern Gesundheitsstaatssekretär Benjamin Hoff (Linkspartei). Am Weltnichtrauchertag zeichnete Hoff Betriebe und Vereine aus, die sich schon im Vorfeld des geplanten Nichtraucherschutzgesetzes „vorbildlich um Rauchfreiheit“ bemühen. Dazu gehöre auch die „Trarbacher Klause“, nach Angaben des Nichtraucherbundes Berlins erste Bierkneipe mit Rauchverbot.

Geehrt wurden neben anderen der Steglitzer Tennisclub Blau-Gold und die Fastfood-Kette „McDonald’s“, in deren Filialen seit April nicht mehr geraucht werden darf. Außerdem das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, dessen Räume seit September 2006 komplett rauchfrei sind. Zusätzlich ermöglichte der Bezirk 92 Mitarbeitern einen Gratis-Entwöhnungskurs, 60 Prozent der Teilnehmer haben das Qualmen seither gelassen, sagt Personalstadtrat Joachim Krüger (CDU). So weit ist bisher keine andere Bezirksverwaltung gegangen.

Dass auch der Wirt Detlef Marx zu den Ausgezeichneten gehört, ist ein Signal des Senats im Hinblick auf das geplante gesetzliche Rauchverbot in Gaststätten und öffentlichen Gebäuden. Derzeit erarbeitet die Gesundheitsverwaltung den Gesetzentwurf. Dabei muss sie sich mit der Lobby der Kneipenwirte auseinandersetzen, die Umsatzverluste fürchten und ausgenommen sein wollen. Bier, Korn und Kippe gehören zusammen, meinen sie.

Detlef Marx ficht das nicht an. Zwar meiden ihn rauchende Gäste, doch nun wagen sich mehr Nichtraucher in seine Klause. Außerdem hofft er auf das neue Gesetz. Sollte es ab 2008 gelten, darf an keinem Tresen mehr gequalmt werden, weshalb Raucher vielleicht zu ihm zurückkehren. Und es geht Marx um die eigene Gesundheit: „Ich will nicht ständig im Dunst stehen.“ Christoph Stollowsky

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