Berlin : Ein Bild von einer Frau

Starfotograf Steven Klein setzte Popkönigin Madonna in Szene. Seine Arbeiten sind nun in Berlin zu sehen

Ulf Lippitz

Steven Klein fotografiert Stars – und das tut er für die größten Zeitschriften der Lifestyle-Industrie, „Vogue“ und „Harpers Bazaar“. Mal posiert Schauspieler Brad Pitt im Lendenschurz, mal Sänger Justin Timberlake im Sportsdress oder Pop-Königin Madonna im Barock-Kostüm. Die wandlungsfähige Sängerin steht auch im Mittelpunkt seiner Ausstellung, die am Sonnabend in der Galerie Camera Work im Beisein Steven Kleins eröffnet wird: „X-STaTIC PRO=CeSS“ zeigt Madonna in einem breiten Rahmen zwischen Popkultur, biblischen Motiven und fernöstlichen Mythen.

Der 38-jährige Modefotograf und sein Model lernten sich 2002 für eine normale Foto-Session kennen. „Es sollte eine einmalige Sache sein“, sagt Klein. „Ich wollte eine lange Strecke mit Madonna-Fotos machen, ohne dass es wie ein Mode-Shooting aussah.“ Das renommierte Magazin „W“ willigte ein, die Fotos zu drucken. Acht Stunden dauerten die Aufnahmen, 44 Hochglanz-Seiten wurden am Ende bebildert. Die Zusammenarbeit funktionierte gut, beide Partner strebten eine Fortführung an und gingen ein strategisches Bündnis an der Schnittstelle von Kunst und Pop ein: Madonna polierte damit ihr Image auf, Klein erfreute sich größerer Aufmerksamkeit.

Steven Klein begann größere Sets zu bauen. In einem hell gestrichenen Raum platziert er neben der schmutzigen Tür eine pumpende Niere auf der einen Seite, einen alten Holztisch, auf dem Madonna Verrenkungen vollführt, auf der anderen Seite. Für ein anderes Bild stellt er einen elektrischen Stuhl vor eine karminrote Leinwand. Er widmet sich mehr den Details im Hintergrund als der Verschlusszeit. „Der Raum um mein Objekt herum, ist mir fast wichtiger als das Objekt selbst“, betont Klein.

Er glaubt, das rührt von seiner früheren Tätigkeit als Maler her. Klein studierte Malerei in New York, nachdem er bereits im Teenager-Alter mögliche Formen des kreativen Ausdrucks ausgelotet hatte. Von seinen Eltern hat er die Begeisterung für Kunst nicht. Sein Vater arbeitete als Immobilienmakler, seine Mutter organisierte Förderprogramme für unterprivilegierte Kinder. Klein wuchs in dem winzigen Bundesstaat Rhode Island auf – „kein sehr kultureller Ort und vom Fernsehen abgesehen recht isoliert“, wie er heute sagt.

Zur Fotografie kam er zufällig. Nach dem Universitätsabschluss versuchte er seinen Lebensunterhalt mit Malen zu verdienen, wechselte aber aufgrund unleugbarer Erfolglosigkeit zur Modefotografie. Das war in den späten Achtzigern. Einer seiner ersten Aufträge führte ihn nach Paris. Er setzte eine Kampagne von Christian Dior um. Ihr Erfolg bescherte ihm eine bis heute andauernde Arbeitsbeziehung mit den großen Namen der Branche wie Dsquared oder Calvin Klein. Sie sind zwar nicht verwandt, die zwei Kleins, aber sie verbindet „ein fast brüderliches Band“ – so der Fotograf. Ganz so tief scheint das Verhältnis zwischen ihm und Madonna nicht zu sein. „Niemand ist so wie sie“, sagt er diplomatisch über sie. Ihre Originalität ist für ein Kunstobjekt jedoch geradezu ideal. „Sie ist die Performance-Ikone unserer Zeit. Sie weiß nie genau, wer sie ist, ihre Identität ist sehr fließend – das fasziniert mich natürlich als Fotografen“, sagt Klein. Er hat die Sängerin in verschiedene Rollen schlüpfen lassen, ihr „eine Maske aufgesetzt“ – wie er seine Herangehensweise beschreibt.

Auf einem Bild trägt sie die schwere rote Robe einer asiatischen Königin, in einem Video sieht man sie neben einem Kojoten und einem brennenden Hochzeitskleid. „Ich wollte eigentlich einen wilden Hund", räumt Klein ein. „Aber wir waren in Los Angeles bei den Aufnahmen. Und da gibt es überall Kojoten. Also haben wir einen genommen.“ Zu der visuell atemberaubenden Performance inspirierte ihn eine B-Seite der Pop-Queen, „The Beast Within“. Das Ergebnis gefiel Madonna so gut, dass eine veränderte Fassung des Videos kürzlich ihre US-Konzerte eröffnete.

Galerie Camera Work, Kantstraße 149, Charlottenburg, 6. November bis 8. Januar, Öffnungszeiten Dienstag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Sonnabend 10 bis 16 Uhr

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