Berlin : Ein bunter Haufen: 14 Parteien zur Wahl zugelassen

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Gäbe es in Deutschland keine FünfProzent-Hürde, dürfte der nächste Bundestag bunt aussehen. Vielleicht ein wenig so wie jene drei Sitzreihen im Versammlungsraum der Innenverwaltung, in denen sich am Freitag gut 20 Vertreter der Parteien drängeln, die sich zur Wahl stellen möchten, und darauf hoffen, dass der Landeswahlausschuss ihnen den formalen Segen erteilt. Grauhaarige, verbittert dreinschauende Rechtsradikale sitzen da neben Linksradikalen mit rot gefärbten Haaren, fundamentalistische Christen neben PDS-Funktionären, Graue Panther neben FDP-Landtagsabgeordneten. Auch „Titanic“-Chefredakteur Martin Sonneborn ist gekommen, dessen Scherzprojekt „Die Partei“ die Mauer zurückhaben will. Ganz vorne hocken drei im Punk-Gothic-Stil zurechtgemachte Vertreter der Anarchistischen Pogo-Partei, die übermüdet aussehen und T-Shirts tragen mit einem Porträt des Anarchisten Erich Mühsam oder dem in Fraktur verfassten Slogan „Ich bin ein asozialer Parasit“.

Trotz der Buntheit der Parteivertreter geht es im Wahlausschuss sachlich zu. Kurzen Prozess macht das Gremium um Landeswahlleiter Andreas Schmidt von Puskás mit sechs Parteien, die es nicht geschafft haben, die nötigen 2000 Unterstützer-Unterschriften zu sammeln.

Zwei Splitterparteien protestieren zaghaft. „Die Zeit seit der Ankündigung von Neuwahlen war viel zu kurz“, klagt eine Frau von der Partei Bibeltreuer Christen. Und die Vertreterin der Allianz für Gesundheit, Frieden und soziale Gerechtigkeit beschwert sich, dass von ihren 2000 Unterschriften 470 wegen unlesbarer Namen als ungültig abgelehnt wurden. Der Landeswahlleiter sieht das gelassen. Er ist froh, dass der Protest sich in Grenzen hält. Im Gegensatz zum letzten Mal, wo ein schimpfender Parteivertreter aus dem Saal getragen wurde, haben die vorsichtshalber bestellten Polizisten diesmal nichts zu tun. 14 Parteien bleiben am Ende übrig. Und auch die Linkspartei/PDS ist dabei. lvt

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