Berlin : Ein eindeutiges Angebot

Berlins CDU umwirbt die Grünen als Koalitionspartner für 2006. Die finden das Gedankenspiel verfrüht

Lars von Törne

Gregor Hoffmann, stellvertretender Vorsitzender der CDU im Abgeordnetenhaus, wählt ein Bild aus der Botanik, um die Beziehung seiner Partei zu den Grünen zu beschreiben. „Es ist eine ganz kleine Pflanze, die es wert ist, gegossen zu werden.“ Sein Kollege Nicolas Zimmer, der CDU-Fraktionschef, will diesem Pflänzchen jetzt mehr Wasser geben. Da die FDP als möglicher Koalitionspartner nach der Wahl 2006 wahrscheinlich zu schwach sei, seien die Grünen der „Wunschpartner“ der CDU, um den rot-roten Senat abzulösen. Das sagte Zimmer dem Tagesspiegel. Deswegen wollen er und Parteichef Joachim Zeller demnächst persönliche Gespräche mit den Spitzenpolitikern der Grünen führen.

Dass Berlins Konservative und Alternative bereit sind, die Gräben zuzuschütten, die sie viele Jahre lang getrennt haben, zeichnet sich schon seit längerem ab. So ein demonstratives Angebot zur Zusammenarbeit wie jetzt hat der CDU-Fraktionschef den Grünen allerdings selten gemacht. Diese fühlen sich geschmeichelt. „Wir sind in der komfortablen Situation, dass wir bei der Wahl wohl das Zünglein an der Waage sein werden“, sagt Grünen-Fraktionschefin Sibyll Klotz. Gerade daher werde sie sich vorab aber nicht festlegen, mit wem sie koalieren möchte. Außerdem gebe es vor allem bei der Innen- und der Einwanderungspolitik weiterhin unvereinbare Gegensätze. Ausschließen will Klotz ein schwarz-grünes Bündnis allerdings auch nicht. „Wir halten uns alle Optionen offen.“

Zimmers Annäherungsversuch spricht vielen Parteifreunden aus dem Herzen. „Wir haben in den wichtigen Fragen mehr Gemeinsamkeiten mit den Grünen als mit jeder anderen Partei“, sagt der umweltpolitische Sprecher der CDU, Uwe Goetze. Und der Abgeordnete Kurt Wansner, der sich in der Ausländerpolitik seit Jahren an den Grünen reibt, attestiert ihnen, sie hätten sich „sehr in Richtung des bürgerlichen Lagers bewegt“. Inzwischen rede er „lieber mit den Grünen als mit der SPD“.

Beflügelt werden die Gedankenspiele durch den Generationswechsel, den beide Parteien in den letzten Jahren durchlaufen haben. „Unsere jungen Abgeordneten gehen mit der CDU entspannter um“, hat Sibyll Klotz beobachtet. „Man kennt sich und redet miteinander“, sagt auch die Grüne Ramona Pop, mit 26 Jahren jüngste Parlamentarierin. Inhaltlich trennen sie jedoch immer noch Welten von der CDU, betont sie: Deren sicherheitspolitische Ideen seien „untragbar“. Auch deswegen findet sie schwarz-grüne Planspiele zum jetzigen Zeitpunkt einfach „albern“.

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