Berlin : Ein Eklat ums Kopftuch

Wie türkische Blätter über den Besuch ihres Ministerpräsidenten hier berichten

Suzan Gülfirat

Ein Ereignis in Berlin beschäftigt im Moment sämtliche türkischen Medien in Deutschland und der Türkei. Ministerpräsident Recep Tayip Erdogan war auf Einladung der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer (TD-IHK) in Köln zu Besuch in Berlin. Am vergangenen Freitag traf er sich hier im Rahmen des deutsch-türkischen Wirtschaftskongresses auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ein Eklat am Abend zuvor zwischen dem Ministerpräsidenten und seinem Botschafter, Mehmet Ali Irtemcelik, bei einem Treffen mit türkischen Landsleuten verdrängte das Thema beinahe von den Titelseiten.

Der öffentlich ausgetragene Streit ist durch die Beschwerde einer Frau mit deutscher und türkischer Staatsbürgerschaft ausgelöst worden. Sie kritisierte, dass sogar ein „christliches Land“ wie Deutschland ein Passfoto mit Kopftuch erlaube. Die Türkei aber verlange von ihr, die Haare zu zeigen. Der Botschafter verteidigte sich mit den Worten, er setze lediglich geltende Vorschriften um, woraufhin er vom Publikum ausgebuht wurde. Erdogan hingegen versprach, den Erlass, falls nötig, zu annullieren. Es handelt sich dabei um eine Verordnung aus dem Jahre 1984, worin festgelegt ist, dass türkische Frauen auf Passbildern zumindestens den Haaransatz zeigen müssen.

Die Milliyet zeigte ein Foto von diesem Dokument. Zugleich sprach die Zeitung mit der betroffenen Frau und zeigte ihren deutschen Personalausweis. Darauf sieht der Leser nur das Allernötigste von ihrem Gesicht. „Sie bedauere, was sie mit ihrer Frage verursacht habe“, zitierte die Milliyet die Berlinerin, deren Namen mittlerweile viele Türken in Europa und der Türkei kennen dürften. „Wie ich gehört habe, recherchiert man mittlerweile, ob ich Mitglied in einer religiösen Verbindung bin“, sagte sie. Dabei störe sie es nicht einmal, dass ihre 14-jährige Tochter kein Kopftuch trage. Sicherlich werden die türkischen Journalisten am Thema dranbleiben.

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