Ein Erfahrungsbericht : Wie Google Street View meine Freundin zersägte

Da war doch was, damals im Sommer 2008. Fuhr da nicht dieses Google-Fahrzeug durch meine Straße, direkt an mir vorbei? Nicht, dass ich da jetzt plötzlich zu sehen bin. Also lieber mal gucken.

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Tagesspiegel-Redakteur Jörg Leopold (re.) machte eine "schreckliche" Entdeckung: Google zersägte zumindest visuell seine Freundin.
Tagesspiegel-Redakteur Jörg Leopold (re.) machte eine "schreckliche" Entdeckung: Google zersägte zumindest visuell seine Freundin.Screenshot (c) Google Street View

Die erste Überraschung: Wenn ich bei Google Maps meine Straße eingebe, erscheint sofort meine Hausnummer dahinter. Das ist schon mal verdächtig. Ich lasse mich also von dem netten gelben Männchen an die Hand nehmen und spaziere durch meinen Kiez. Ich bin ein bisschen nervös, fast so, als würde ich mir mein gebuchtes Hotel in irgendeiner Stadt anschauen und nun die dazugehörige Straße begutachten.

Aber hier ist alles vertrauter. Die Häuserfronten, die Läden, die Cafés - und doch fühle ich mich ein bisschen wie im falschen Film. Ich bin zuhause, obwohl ich gar nicht da bin. Seltsam. Ich nähere mich meinem Wohnhaus - und laufe gegen eine Wand. Kein Durchkommen, hier ist alles verpixelt. Ich bin gleichzeitig erleichtert und enttäuscht. Aber da ist nichts zu machen. Das Schutzschild ist nicht zu durchdringen. Also laufe ich noch ein paar Schritte die Straße entlang, um auf Nummer Sicher zu gehen, dass die mich damals nicht doch erwischt haben mit ihrer Autodach-Kamera.

Ich gehe über die Kreuzung, schaue nach links und rechts und plötzlich stehe ich vor mir selbst. Das gibt es doch nicht. Und direkt neben mir meine Freundin, ihre Mama und ihr Auto, bei dem wir damals das Rücklicht repariert hatten. Und ich gucke noch etwas irritiert, um nicht zu sagen blöd in die Kamera. Okay, das ist natürlich jetzt nicht mehr zu erkennen, aber das ist auch gar nicht nötig.

Sofort schicke ich meiner Freundin eine Mail. Sie antwortet und sendet weitere Bilder. Auf einem wird sie von Google zersägt. Ihre Beine stehen rechts neben ihrem Oberkörper. Insgesamt entdecken wir acht Fotos, auf denen wir drauf sind. Ich merke mal wieder, dass ich mehr Sport treiben sollte. Erstaunlich, wozu dieses Google Street View alles gut ist. Sogar dann, wenn das eigentlich gesuchte eigene Wohnhaus hinter einer Tarnvorrichtung verschwunden ist.

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