Berlin : Ein Festival des Friedens

12.02.2003 00:00 UhrVon Elisabeth Binder

Viele Stars nutzen ihren Besuch in Berlin für Appelle gegen den Krieg – Dustin Hoffmans Auftritt war der Höhepunkt

In der vergangenen Woche nutzten Weltstars ihren Aufenthalt in Berlin, um mit Appellen und Statements gegen den drohenden Irak-Krieg zu demonstrieren. Sie bekannten sich zu Amerika, wandten sich aber gegen die aktuelle Regierungspolitik. Letzter Höhepunkt war in der Nacht zum Dienstag die Rede von Dustin Hoffman bei der Unicef-Gala „Cinema for Peace“ im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Minutenlang dankten Hollywood-Größen wie Christopher Lee, Roger Moore und Faye Dunaway zusammen mit europäischen Stars wie Bob Geldof, Iris Berben, Lucia Aliberti und Vivienne Westwood dem zweifachen Oscar-Preisträger mit einer Standing Ovation für seine mit unglaublicher Intensität vorgetragenen Worte.

Eine knappe Woche zuvor hatte Elton John am gleichen Ort den Anfang gemacht, als er sich für seine Goldene Kamera bedankte. Er sei stolz auf Deutschland, weil es „Nein“ sage zum Krieg, rief er unter tosendem Beifall. Dustin Hoffman gelang etwas, was Schauspieler seit der Antike versuchen, aber in Vollendung nicht so oft schaffen: eine kathartische, eine reinigende Wirkung zu erzielen. Er schaffte es nur mit Worten, die Bilder aus der Zeit des Vietnam-Kriegs wieder erstehen zu lassen. Bereits am Tag zuvor hatte Hoffman in einem Interview mit dem Tagesspiegel berichtet, dass es in den USA eine Proteststimmung gegen die offizielle Regierungspolitik gebe, wie er sie seit den 60er Jahren nicht mehr erlebt habe. Die Wirkung seines Vortrags bei der Gala ist schwer zu beschreiben, wird aber den Anwesenden noch lange in Erinnerung bleiben. Sogar ein hartgesottener Action-Star wie Ralf Moeller gab später zu, dass er eine Gänsehaut bekommen habe.

Bereits zu Beginn des Abends hatte Roger Moore, der sein am Morgen vom Bundespräsidenten verliehenes Verdienstkreuz an der Smoking-Jacke trug, gesagt: „Diejenigen, die im Filmgeschäft tätig sind, sollten ihren Einfluss geltend machen, um auf der Seite derjenigen zu kämpfen, die im Krieg am meisten leiden: auf der Seite der Kinder.“ Er beschrieb, wie er 1946, als Unicef gegründet wurde, die schrecklichen Folgen eines Krieges in Deutschland sah: „Ich war hier und erinnere mich an die hungrigen Kinder, an ihre ausgemergelten Gesichter. Unicef hat ihnen geholfen.“

Christopher Lee trug später einen Brief Ghandis an Hitler vor, in dem der indische Freiheitskämpfer den deutschen Diktator aufforderte, den Krieg zu beenden. Bob Geldof erinnerte an große Antikriegsfilme und verlieh zusammen mit der deutschen Bucherer-Chefin Kate Merkle den im letzten Jahr geschaffenen „Diamond Bucherer Award for Peace“ an den bosnischen Regisseur Danis Tanovic, der für seine Antikriegssatire „No Man’s Land“ bereits den Golden Globe und den Oscar bekommen hatte. Der Film zeigt nach Geldofs Worten „die absolute Absurdität des Krieges und auch die dubiose Rolle der Medien dabei“. Tanic erinnerte an die Kriegsgräuel in seiner Heimat: „Jede Lösung ist besser als ein Krieg. Wir haben einen hohen Preis bezahlt.“

Natürlich war der Abend, bei dem 250000 Euro für die Kinderhilfsorganisation Unicef aufgebracht wurden, nicht durchweg ernst. Veronica Ferres ersteigerte bei einer Auktion für 11000 Euro eine Rolle in einem Film von Hannelore Elsner. Und es gab zum Auftakt wunderbare Arien von Lucia Aliberti. Während die Vorspeise aufgetragen wurde, „Zweierlei von der Wachtel auf dunklem Linsensalat“, gab es viele Begrüßungsumarmungen. George Clooney hatte bereits den Auftritt auf dem roten Teppich genutzt, um zu sagen, dass er sein Land liebe, aber ein Zeichen gegen den Krieg setzen wolle. Er musste früh gehen, weil sein Film „Solaris“ Premiere hatte. Faye Dunaway stand mit Roger Moore und Christopher Lee zusammen, der anschließend lange mit Dustin Hoffman sprach.

Der war überhaupt erst am Abend gefragt worden, ob er reden wolle, und machte sich bei Tisch noch Notizen. Er wolle sagen, was ihm in den vergangenen zwanzig Minuten durch den Kopf gegangen sei, merkte er am Anfang an. Sein Beitrag war auch nicht im gedruckten Programm aufgeführt, das überall auslag. Als er zur Bühne ging, gab es ein Raunen an den Hollywood-Tischen. Er sollte es tun, er sollte in die Politik gehen, sagte jemand auf englisch. Die Gäste, die das gehört haben, waren sich einig. Wenn er sowas in Erwägung zieht, könnte George Bush bei Wahlen ein Problem bekommen. Nach seinem Auftritt saß der Schauspieler wie in Trance an seinem Tisch, bis Freunde ihn umarmten und ihm gratulierten.

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