Berlin : Ein Festival entdeckt das globale Odessa

tl

"Odessa" ist das Thema der 13. Jüdischen Kulturtage in Berlin, die am 10. November eröffnet werden. Erstmals konzentriert sich das Festival der Jüdischen Gemeinde bei seinen Erkundungen der Diaspora-Lebenswelten auf ein Zentrum in Osteuropa. Dabei nähern die Konzerte, Lesungen, Filmreihen, Kunst- und Fotoausstellungen sich den Überlieferungen rund um diese legendäre ukrainische Metropole auf drei Ebenen: Der Mythos Odessa, die reale Hafenstadt und ihre weltweite Ausbreitung über die Wege der Emigration (rund 2000 Emigranten in Berlin sollen odessitische Wurzeln haben) bieten das Material für ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm. Den Gastgeber der sechs mit Jazz, Chansons, Klezmer und Satire gestalteten Ballroom-Abende im Gemeindezentrum Fasanenstraße spielt der Musicalkomponist und Pianist Alexander Shurbin aus dem New Yorker Quartier Little Odessa, zusammen mit seiner Frau, der TV-Moderatorin Irina Ginzburg. Das Nostalghia in Prenzlauer Berg beherbergt an vier Abenden einen Gesprächssalon, in dem Schriftsteller und Theaterleute - verstärkt durch Borscht und Piroggen - ihre Stadt literarisch vorstellen. Die Filmreihe im Haus der Kulturen der Welt zeigt historische Film-Ausgrabungen und Klassiker ("Panzerkreuzer Potemkin", "Jüdisches Glück"), Produktionen der 90er Jahre und Dokumentationen der Emigration. Als außerordentliches Fundstück wird "Benya Krik" von 1926 aufgeführt, die erste, sofort nach ihrer Uraufführung verbotene Verfilmung der Gangstergeschichten von Isaak Babel (am 14. 11. um 15 Uhr begleitet von Hasidic New Wave, am 21. 11. um 19 Uhr mit Klaviermusik). Eine weitere Adaption dieser berühmtesten Odessa-Literatur bietet das Gesher Theater aus Tel Aviv: Sein Gastspiel der "Odessa-Stories" nach Babel im Schiller Theater, ein praller, romantischer Ausflug in die Mafialegenden vom Anfang des Jahrhunderts, verschafft dem Festival gleich zu Beginn einen theatralischen Höhepunkt (mit deutscher Simultan-Übersetzung: am 10 11. in Hebräisch, 11. / 13. 11. in Russisch).



Auch Cora Frost, die Nachtschattenexpertin unter Berlins Diseusen, widmet sich der Halbweltlegende Odessa. Ihr "Gobstop"-Gangsterliederabend " . . .nur für eine Nacht" hat Premiere in der Kalkscheune (24. / 26. / 27. / 11., 1. - 3. 12.), wenn das traditionelle Ensemble-Finale im Haus der Kulturen (20. 11. 20 Uhr) unter dem Titel "Doswidanija-Schalom & Goodbye" gelaufen ist. Eine mit dem Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrum veranstaltete Tagung "Das jüdische Odessa - Erinnerungen und neue Entwicklungen" konzentriert sich dagegen auf die städtische, interkulturelle Realität von heute (21. /22. 11. im Centrum Judaicum).

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben