Berlin : Ein Feuer und ein Abschied

Familie Z. wollte Untermieter N. loswerden. Jetzt ist Herr N. weg. Und die Wohnung ausgebrannt

Jörn Hasselmann

Herr N. war der Untermieter von Herrn Z. Gestern, am Sonnabendmorgen, soll Herr N. seine „Abschiedsvorstellung“ gegeben haben. So nennt das Herr Z. Am Ende der Vorstellung war die Wohnung in dem schönen Eckhaus ausgebrannt und Herr N. (33) war verschwunden. Familie Z. – Vater, Mutter, Tochter – verdankt ihr Leben einem Jogger und einem Polizisten. Der Jogger entdeckte den Rauch im zweiten Stock und rief um kurz vor neun die Feuerwehr. Der erste Polizist, der eintraf, der Kontaktbereichsbeamte K. vom Abschnitt 34, trat die Wohnungstür ein und weckte die Familie. „Ohne den Kob wären wir verreckt“, sagt Herr Z. ganz ruhig. „Das war super reagiert.“

Herr Z. steht mit einer kurzen Sporthose bekleidet auf der Kreuzung Pohl- und Kluckstraße. Er muss sich Sätze anhören wie: „Hättste den doch schon zu Pfingsten rausgeschmissen.“ Frau, Tochter und Verwandte machen ihm wortreich deutlich, dass sie mit Herrn N. härter umgesprungen wären. Denn Herr N. sei nicht der pünktlichste Mietzahler gewesen. Oben raucht es derweil aus schwarzverbrannten Fensterhöhlen heraus. Herr Z. möchte nicht streiten, „das nützt doch nichts“. „Pfingsten habe ich ihm gesagt, wenn ich wiederkomme, bist du weg“, sagt Herr Z. Vor einer Woche kam die Familie dann aus Bad Mergentheim, wo Herr Z. arbeitet, wieder nach Berlin. Doch Herr N. wohnte immer noch im rechten Zimmer zur Straße raus. Herr N. soll – nach den Schilderungen der Familie Z. – zudem nicht der Ordentlichste gewesen sein, Alkohol habe er auch getrunken. Zu Beginn sei es doch ganz nett gewesen, versucht Herr Z. seinen Untermieter zu verteidigen. Da habe man gemeinsam auch mal im Hof gesessen. Das war vor drei Jahren. Herr Z. wohnt viel länger hier. „Ich bin hier geboren“, sagt der 65-Jährige und guckt zu den rauchenden Fenstern hoch. „Es gab wohl vorher Streit“, schildert ein Beamter die ersten Ermittlungsergebnisse.

„Erst rauchte es, dann ging das ruckizucki und auf einmal brannte alles“, erzählt Kob K., der die Tür eintrat. Die Feuerwehr findet eine auf ihren ganzen 80 Quadratmetern brennende Wohnung vor, „da war schon alles rot im Flur“, erzählt einer der Männer vom ersten Stoßtrupp. Um kurz vor halb zehn ist das Feuer unter Kontrolle. Zu retten gibt es in den drei Zimmern nichts mehr. Die schwelenden Reste des Mobiliars wirft die Feuerwehr aus dem Fenster, am späten Vormittag reißt sie mit Motorsägen in der darüber liegenden Wohnung das Parkett heraus, um die letzten Brandnester aufzuspüren.

Herr N. blieb gestern verschwunden.

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