Berlin : Ein Feuerwerk der Gefühle

In der Philharmonie begann ein neues Kapitel der Liebesgeschichte zwischen Lucia Aliberti und ihrem Berliner Publikum

Elisabeth Binder

Schon kurz nach dem Ende der Belcanto-Gala von Lucia Aliberti musste der Musikalienhändler in der Philharmonie die Segel streichen. CDs mit Arien der Primadonna waren restlos ausverkauft. Die Programme zum Abend waren bereits zur Pause vergriffen. Es ging schon auf halb zwölf, da reihten sich die Fans geduldig in eine lange Schlange ein, um noch ein Autogramm zu ergattern. „Was für eine Leistung“, murmelten sie. Insgesamt hatte das Konzert mit italienischen Arien fast eine Stunde länger gedauert als ursprünglich vorgesehen. Sechs Zugaben beantwortete das hingerissene Publikum mit stehenden Ovationen. Es war Lucia Alibertis erster Soloabend in der Philharmonie.

Sogar solche Plätze waren besetzt, von denen aus man nur den Rücken der Diva sehen konnte. Die große, schwierige Arie der Lucia aus Lucia di Lammermoor, die sie in Berlin schon vor Jahren zum Publikumsliebling gemacht hatte, sang sie ganz zum Schluss - und dann, offenbar beflügelt, von den Sympathiewellen, die ihr aus dem Publikum entgegenschlugen, noch einmal als Zugabe. Stimme und Technik sind eine Sache, über die Kritiker lange diskutieren. Lucia Aliberti aber, die in ihrem leuchtend roten Kleid auf der Bühne so fragil und verletzlich wirkt und mit ihrer Stimme trotzdem das Orchester jederzeit in seine Schranken weisen kann, zeigte wieder das Extra, das sie auch besitzt: Starqualität. Sie machte aus dem Abend ein Fest für sich und ihr Publikum.

Während sie geduldig, inzwischen in einer dramatisch schwarzen Robe, Autogramme gab, wartete im Adlon ein kleiner Kreis von Freunden bis weit nach Mitternacht auf den Beginn des Dinners mit ihr. Marylea van Daalen und Unternehmer Klaus Krone nützten die Gelegenheit, Erinnerungen an die ersten Auftritte der Sängerin auszutauschen.

Liebt das Berliner Publikum die Sizilianerin wirklich am meisten? Krone, der sich Konzerte mit ihr auch in anderen Städten nicht entgehen lässt, glaubt das nicht. Die temperamentvollen Beifallsstürme kürzlich in Hamburg haben selbst ihn überrascht. Lucia Aliberti verfügt wohl über einen reichen Vorrat an Funken, die überall überspringen können.

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