Berlin : Ein fulminantes Feuerwerk - und viele Verletzte

WERNER SCHMIDT

BERLIN .Stundenlang feierten in der Silvesternacht Hunderttausende auf den Straßen Berlins den Jahreswechsel.Der Himmel leuchtete in allen Farben, das Krachen der Böller nahm kein Ende.Polizei und Feuerwehr hatten weniger Grund zur Freude: Die Einsatzkräfte mußten deutlich öfter helfen als in den Jahren zuvor.Trotz aller Warnungen wurden viele Menschen durch Feuerwerkskörper verletzt.Das vorerst letzte Opfer ist ein zwölf Jahre alter Junge, der am Freitag nachmittag an der Randowstraße in Hohenschönhausen schwere Verbrennungen an den Händen erlitt, als er versuchte, nicht detonierte Böller anzuzünden.Einer der Blindgänger explodierte.



Die Zahl der Alarmierungen stieg vor allem in den Stunden nach Mitternacht drastisch.Gegen 1 Uhr verzeichnete die Feuerwehr ihre höchste Belastung: Es mußten 380 Einsätze gleichzeitig bewältigt werden.In den ersten sechs Stunden des neuen Jahres mußten allein 382 Brände gelöscht werden, über 100 mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres.Auch bei der Party am Brandenburger Tor hatten die Helfer viel zu tun: 333 Einsätze.Angesichts der 400 000 Besucher verlief die Nacht am Tor aber glimpflich.

Die genaue Zahl der Verletzten liegt noch nicht vor und wird, wie jedes Jahr, erst in wenigen Tagen von der Gesundheitsverwaltung bekannt gegeben.Allerdings meldete die Feuerwehr zwei dramatische Fälle: In Schöneberg wurden einem Mann bei der Explosion eines Knallkörpers an einer Hand mehrere Finger abgerissen.Mit seiner schweren Verletzung lief der Mann noch zur nahegelegenen Feuerwache an der Ebersstraße, wo er von einem Notarzt versorgt und anschließend ins Krankenhaus gefahren wurde.Auch in Staaken zerfetzte ein detonierender Böller einem Mann die Hand.

Viele kleinere Brände hielten die Feuerwehr die Nacht über auf Trab.Zahlreiche Müllcontainer wurden von vermutlich jugendlichen Brandstiftern angezündet.Obwohl die Feuerwehr zuvor eindringlich darauf hingewiesen hatte, alle feuergefährlichen Gegenstände von den Balkonen zu räumen, setzten auch dieses Jahr in einer Vielzahl von Fällen Böller oder verirrte Silvesterraketen Gerümpel in Brand.

Erst nach über vier Stunden hatte die Feuerwehr einen Großbrand gelöscht, der das zu einer Wohnung ausgebaute Dachgeschoß eines Hauses an der Charlottenburger Fritschestraße zerstörte.Das Feuer in der etwa 200 Quadratmeter großen Wohnung war aus bisher noch ungeklärter Ursache kurz vor Mitternacht ausgebrochen.Verletzt wurde bei dem Brand offenbar niemand.Die Hausbewohner hatten sich nach Auskunft der Feuerwehr bereits vor dem Eintreffen der Löschmannschaften in Sicherheit gebracht.

Bei Auseinandersetzungen während einer Silvesterfeier im Haus der Kulturen der Welt, der früheren Kongreßhalle, an der John-Foster-Dulles-Allee in Tiergarten wurden während des Jahreswechsels zwei Menschen schwer verletzt.Gegen 22.15 Uhr wurde einem 24jährigen Bosnier mehrfach in die Beine geschossen.Zwei Verdächtige konnten nach Auskunft der Polizei entkommen.Kurz bevor die Schüsse fielen, war bei einer Schlägerei ein 29jähriger Deutscher durch Messerstiche in die Brust schwer verletzt worden.Die Polizei schließt einen Zusammenhang zwischen beiden Taten nicht aus.

Zwei Verletzte gab es auch bei einer Massenschlägerei im Treptower Veranstaltungsort "Arena" an der Eichenstraße.Bei der Prügelei zwischen 50 bis 60 Ausländern wurden nach Auskunft der Polizei auch Messer eingesetzt.Zwei Beteiligte, die durch Messerstiche an Kopf und Hüfte verletzt worden waren, kamen in Krankenhäuser.55 Polizeibeamte waren nötig, um die Schlägerei zu schlichten.Blutig endete gestern früh auch eine Silvesterfeier in der Diskothek "Limon" an der Bismarckstraße in Charlottenburg.Beim Streit zwischen zwei 18 und 21 Jahre alten Türken zog der 18jährige plötzlich eine Pistole und schoß seinem Gegner durch den Oberschenkel.Der Täter wurde festgenommen.

Nicht nur für die Feuerwehr, die 1700 Beamte im Einsatz hatte, auch für die Polizei und die Hilfsdienste brachte die Silvesternacht deutlich mehr Arbeit mit sich als ein Jahr zuvor.Die Polizei mußte in den zwölf Stunden zwischen 19 Uhr am 31.Dezember 1998 und 7 Uhr am 1.Januar 1999 zu 2264 Einsätzen ausrücken.Im Vorjahr waren es 2055.193 Mal wurden die Beamten zu Schlägereien gerufen, bei denen 80 Personen verletzt wurden.Bei Kontrollen wurden 18 angetrunkene Autofahrer gestellt, die nach einer Blutprobe ihren Führerschein abgeben mußten.

Auch die Rettungsfahrzeuge der Hilfsdienste waren ausgebucht.In 436 Fällen mußten die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen Erste Hilfe leisten, lautet die Bilanz.Gegenüber dem Vorjahr mit 387 Einsätzen ebenfalls eine deutliche Steigerung.

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