Berlin : Ein Fußballfest – mit Hilfe der Fifa

WM-Party am Brandenburger Tor soll auch mit Lottogeldern und privaten Sponsoren finanziert werden Verärgerter Klaus Wowereit fordert die Bundesregierung auf, jetzt ebenfalls Engagement zu zeigen

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Vor dem Brandenburger Tor wird es am 7. Juni eine große Eröffnungsfeier zur Fußballweltmeisterschaft geben. Dafür kommt auch Geld vom Fußballweltverband Fifa – eine Million Euro. „Der Zuschuss ist an keine genaue Aktion gebunden“, sagte Fifa-Kommunikationsdirektor Markus Siegler auf Nachfrage. Zusätzlich sollen Lottogelder beantragt werden und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hofft auf die Unterstützung privater Unternehmen und Veranstalter.

„Ich gehe davon aus, dass Hunderttausende kommen werden“, sagte Wowereit gestern. Der Eintritt sei selbstverständlich frei. „Wir tun das nicht nur für Berlin, sondern für die gesamte Republik.“ Das Fest für Fans soll einen Ausgleich schaffen für die abgesagte WM-Eröffnungs-Gala im Olympiastadion. Fifa-Präsident Joseph Blatter versicherte dem Regierenden Bürgermeister in einem Brief, dass er die Enttäuschung des Senats und der ehrenamtlichen Helfer über die Absage der Gala gut verstehen könne. Dies sei dem Verband nicht leicht gefallen und die Fifa sei dankbar für das geplante Fest am Brandenburger Tor.

Der Verband wird allerdings selbst nicht an der Feier teilnehmen. Die Fußball-Funktionäre aus der ganzen Welt, die kurz vor der WM-Eröffnung in München tagen und eigentlich für Hellers Gala nach Berlin fliegen wollten, werden nun bis zum Eröffnungsspiel am 9. Juni in München bleiben.

Den Segen der Fifa hat die Berliner Ersatzparty nun immerhin. „Das Geld soll ein Zeichen des guten Willens an Berlin sein“, sagte Siegler. Allerdings sind damit auch Bedingungen verknüpft. Nun müssen sich die Veranstalter an die Marketingregeln der Fifa für Feste in WM-Städten halten. Lokale Sponsoren dürfen sich darum beim Ersatzfest nur in wenigen Branchen präsentieren. Ob die 12 000 Freiwilligen, die monatelang für Hellers Gala geübt hatten, einbezogen werden, ist noch unklar. „Auf alle Fälle werden wir uns eine Entschädigung einfallen lassen“, versprach Siegler.

Ein konkretes Programm für das Ersatzfest gibt es noch nicht. Wowereit bat um etwas Geduld. Er sei sicher, „dass wir eine vernünftige Veranstaltung hinkriegen“. Es werde ein gemischtes Kulturprogramm geben, und zwar nicht nur auf Bühnen, sondern auch auf den Straßen ringsherum. Der Künstler André Heller, der eigentlich die Gala im Olympiastadion gestalten sollte, wolle gern Hilfestellung leisten. Auf das Angebot des Veranstaltungsprofis Willy E. Kausch – der die jährliche Silvesterparty am Brandenburger Tor managt – sowohl die Fanmeile als auch das Eröffnungsfest zu organisieren, reagierte Wowereit ausweichend.

Der Regierende wundert sich allerdings immer noch „über das Schweigen im Walde“ bei der Bundesregierung. Weder das Kanzleramt noch das Bundesinnenministerium hätten sich bisher zu der Absage der Fifa geäußert. Nicht nur Berlin stehe nach der Absage „blöd da“, sondern die ganze Bundesrepublik Deutschland. Auf Schadensersatzforderungen wird Berlin aber verzichten. Ob die Olympiastadion GmbH Forderungen gegenüber der Fifa geltend mache, müsse die Gesellschaft klären.

Mit der Entscheidung dürfte die Fifa immerhin die Debatte um die Gründe für die Gala-Absage eindämmen. In Organisationskreisen hielt sich trotz aller Dementis weiterhin hartnäckig die Spekulation, es habe Streit um Hellers Konzept gegeben. „Eine von vielen Fragen könnte gewesen sein, ob ein künstlerisches Konzept, das in Deutschland gut ankommt, auch international hoch eingeschätzt wird“, sagte Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, dem Tagesspiegel. Auch Zwanziger benannte allerdings die Neuverlegung des Rasens im Olympiastadion nach der Gala als Problem. „Das hat die Fifa offenbar strenger eingeschätzt als die lokalen Organisatoren.“

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