Berlin : Ein Gedicht von Goethe für 28000 Euro Wertvolle Handschriften werden imDHMverkauft

Lothar Heinke

Die 6. Internationale Antiquariatsmesse „Liber Berlin“ zieht aus raumtechnischen Gründen vom Ludwig-Erhard-Haus in die Stadtmitte: Der Schlütersaal im Deutschen Historischen Museum mit seinen Masken sterbender Krieger ist die neue Kulisse für den Verkauf wertvoller alter Bücher, Grafiken und Handschriften. 74 Aussteller aus dem In- und Ausland präsentieren an diesem Wochenende ihre Schätze unter dem Glasdach. Für zwei Euro Eintritt können die Freunde wertvoller Autographen, Bücher und Graphiken von 10 bis 18 Uhr die Objekte kaufen – oder sich nur daran freuen.

Die Auswahl ist beachtlich. Das erste Objekt im 180-seitigen Katalog ist der Originalvertrag der legendären britischen Punk-Band „The Sex Pistols“ mit Warner Bros über die Rechte an dem Film „Who Killed Bambi“ von 1977 – für 2500 Euro. Stolze 45000 Euro kostet der Urdruck der zwölf Bauernartikel von Augsburg aus dem Jahr 1525. Ein Antiquar aus Tutzing bietet ein „Anmeldebuch“ der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität, in dem einem Physikstudenten die Teilnahme an Vorlesungen der Jahre 1925/26 bestätigt wird. Unterschrieben haben Albert Einstein, Max Planck, Lise Meitner, Max von Laue und andere bedeutende Wissenschaftler. 3500 Euro sollen die Autogramme wert sein, 12000 kostet ein Widmungsexemplar Peter Tschaikowskys mit seiner Suite op. 43. Werke von James Joyce sind ebenso im Angebot wie von Marcel Proust. Für einen Brief von Thomas Mann sollte man 5800 Euro mitbringen, eine von Kaiser Wilhelm II. gezeichnete Urkunde gibt es schon für 420 Euro. Das attraktivste Angebot der Berliner Autographenhandlung J. A. Stargardt, die in diesem Jahr ihr 175-jähriges Bestehen feiert, ist ein eigenhändig aufgeschriebenes Gedicht Goethes, drei Strophen auf einem Blatt, „bis auf minimale Fleckchen und Bereibungen von schönster Erhaltung“. Die Eloge auf Herzog Carl August ist 28000 Euro wert.

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