Berlin : Ein gefälschtes Ticket ist schlimmer als gar kein Ticket

BVG und S-Bahn gehen rigoros gegen Betrüger vor. Wer mit einem verdächtigen Fahrschein erwischt wird, erhält in jedem Fall eine Anzeige

Jörn Hasselmann

Nicht Schwarzfahrer sind derzeit das größte Problem von S-Bahn und BVG – sondern Ticket-Fälscher und -Hehler. Die Zahl der nachgemachten oder auf dem schwarzen Markt illegal verkauften Fahrkarten steige, heißt es bei der S-Bahn. Die Kontrolleure ertappen immer mehr Betrüger, die Zahl der Schwarzfahrer dagegen stagniere bei etwa 4 Prozent. Gemeinsam warnen S-Bahn und Bahnpolizei davor, Karten woanders zu kaufen als am Schalter oder am Automaten. Ertappte Betrüger erhalten auf jeden Fall eine Strafanzeige, sagte der Marketingchef der S-Bahn, Wilfried Kramer, dem Tagesspiegel. „Normale“ Schwarzfahrer müssen dagegen „nur“ das erhöhte Beförderungsentgelt von 40 Euro zahlen. „Ein gefälschter Fahrausweis ist schlimmer als keiner“, warnt die S-Bahn. „Da kriegt man eine ganze Menge Ärger“, sagte Kramer, um ein paar Euro zu sparen, lohne das nicht. Erwischt würden nur wenige, darin sind sich S-Bahn und BVG einig. So wurden bei der BVG im August neun gefälschte Fahrscheine sichergestellt, im September waren es fünf. Die S-Bahn wollte keine Zahlen nennen, spricht aber von einer Steigerung.

Viele Fahrgäste kennen die verlockenden Angebote: Da steht die nette junge Frau oder der ältere Herr in der Bahnhofshalle und offerieren ihre Monatskarten zum angeblichen Schnäppchenpreis, entweder weil sie jetzt verreist oder weil sie irrtümlich doppelt gekauft hat oder oder oder…

Die Quelle für diese Schnäppchen-Angebote sind vielfältig. Sie werden bei Einbrüchen in Kioske erbeutet oder mit gestohlener EC-Karte und entsprechender technischer Manipulation aus dem Automaten gezogen. Farbkopierte Karten seien selten geworden heißt es, zumal die Kontrolleure mittlerweile scharf hinsehen und im Zweifelsfall den Fahrgast bitten, zwecks genauerer Prüfung den Fahrschein aus der Klarsichthülle zu nehmen. Die meisten Fahrscheine haben mittlerweile Sicherheitsmerkmale wie Geldscheine.

Die meist privaten Kontrolleure, die im Auftrag der S-Bahn unterwegs sind, werden deshalb regelmäßig vom Bundesgrenzschutz geschult, um die neuesten Fälschungen identifizieren zu können. Aus Verkaufsstellen gestohlene Karten können anhand der Seriennummer identifiziert werden – damit erwischt, hat der Fahrgast ein Problem.

Der Leiter der Wache Zoo des BGS, Hans-Josef Roth warnt davor, über Annoncen in der „Zweiten Hand“ Monatskarten zu kaufen. Prinzipiell sei das legal, da die Karten übertragbar sind, doch die Gefahr, eine gefälschte Karte angedreht zu bekommen, sei zu groß. Wenn überhaupt, sollte man sich die Quittung vom Verkäufer zeigen lassen, sagte der Polizeioberrat. Wie es hieß, schaue sich auch die Polizei in der Zweiten Hand oder bei Internet-Auktionshäusern wie „Ebay“ um. Wer dort ständig Karten inseriere, mache sich verdächtig – und bekomme dann Besuch von der Kripo.

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