Ein Geschäft, zwei Ideen : Gemischtwarenläden

01.12.2012 00:00 UhrVon Julia Boek
Wäsche und Kaffee. Ulrich Guttmann vor seinem Laden in der Torstraße 115 in Mitte. Foto: Axel Völcker
Wäsche und Kaffee. Ulrich Guttmann vor seinem Laden in der Torstraße 115 in Mitte. - Foto: Axel Völcker

In Berlin bekommen Kunden die verschiedensten Waren und Dienstleistungen unter einem Dach. Wir stellen acht solcher Kombiläden vor – und rufen Sie auf, uns weitere Entdeckungen mitzuteilen!

Das Stückchen Apfelkuchen zum Strauß Blumen, die Urlaubsreise zum Haarschnitt – in Berlin gibt es eine Vielzahl an Läden, die mehrere Geschäftszweige unter einem Dach kombinieren. Kombiläden, sozusagen. „Die Gewerbetreibenden haben erkannt, dass sie die Interessen ihrer Kunden durch unterschiedlichste Angebote besser bedienen können“, sagt Leif Erichsen, Sprecher der hiesigen Industrie- und Handelskammer. Einen Grund dafür sieht er in der besonderen Käuferstruktur der Stadt, geprägt durch die Vielzahl von Touristen.

Viele Kunden möchten außer der reinen Ware auch etwas erleben oder genießen. Das Prinzip Kombiladen setzt daher auf den Neugiereffekt, auf Service und das Shoppingerlebnis.

So wird auch die Verweildauer der Kunden im Laden erhöht – das steigert den Umsatz. Beliebteste Nutzungskopplungen, idealerweise für die gleiche Zielgruppe, sind Waren und gastronomische Dienstleistungen. Die Händler können so die abendlichen Ladenschließzeiten umgehen sowie Flächen- und Personalkosten sparen, weil der Florist auch Espresso servieren kann.

Etwa 21 000 Ladengeschäfte gibt es derzeit in Berlin. Wie viele von ihnen Kombiläden sind, sei statistisch nur schwer zu erfassen, sagt Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Denn es würden ständig neue Geschäftsmodelle entstehen, etwa wenn der Optiker Zahngold ankauft oder die chemische Reinigung einen Versandhandel anbietet. Strenge Auflagen müssen die findigen Inhaber bei der Gründung ihrer Zwei-in-einem-Läden nicht erfüllen, denn bis auf den Handel mit Lebensmitteln und Gefahrengütern gibt es nur wenig Regulative im Einzelhandel.

„Die Kombiladen-Idee hatten die großen Warenhäuser schon vor 100 Jahren“, sagt Busch-Petersen. Auffällig hingegen sei, dass vermehrt kleinere Geschäfte unterschiedliche Standbeine miteinander kombinieren.

Klein angefangen hatten auch die Hamburger Kaufmänner Max Herz und Carl Tchiling, als sie ab 1949 Röstkaffee per Post verschickten. Das Unternehmen Tchibo lässt sich als Kombiladen-Pionier betrachten. Anfang der siebziger Jahre ergänzte der Betrieb, mit inzwischen mehreren hundert Filialen, sein Sortiment um Gebrauchsartikel wie Frühstücksbrettchen. Knapp 40 Jahre später handelt der ehemalige Kaffeeversand sogar mit klimaschonendem Gas und Fernreisen.

Die meisten der auf diesen Seiten präsentierten Kombiläden haben diese Ambitionen nicht. Trotzdem sind sie gute Beispiele für Berliner Erfindungsreichtum und unternehmerische Kreativität. Lassen Sie sich neugierig machen – und berichten Sie uns von weiteren Entdeckungen - in der Kommentarfunktion unter diesem Artikel!

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