Berlin : Ein Glas Wodka auf das Ende des Zweiten Weltkriegs

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Für die Russen ist der „Jahrestag des Sieges über den Hitlerfaschismus“ fast eine Art heimlicher Nationalfeiertag. Entsprechend aufwändig wird er jedes Jahr in Berlin begangen. Am Anfang stehen zwei Kranzniederlegungen: die erste am sowjetischen Ehrenmal in Treptow, die zweite am sowjetischen Ehrenmal in Tiergarten an der Straße des 17. Juni. Anschließend gibt es einen Empfang in der russischen Botschaft. Das Defilee der „Veteranen des großen vaterländischen Krieges“ und der „Helden des Antifaschismus“, die später in der Begrüßungsansprache mit entsprechendem Pathos begrüßt werden, nehmen Botschafter Wladimir Kotenew in Uniform und seine Frau Maria im frühlingshaft leichten Chiffonkleid ab.

Neben den Veteranen und den Helden sind viele Militärattachés gekommen, so viele Orden und Auszeichnungen auf Männerbrüsten sieht man selten bei Berliner Empfängen. Es sei „ein Tag der Freude mit Tränen in den Augen“, beginnt der Botschafter seine Ansprache zum 61. Jahrestag. Nach dem Gedenken an „all diejenigen, die auf den Schlachtfeldern ihr Leben gelassen haben“, wirbt Wladimir Kotenew bei den Veteranen für moderne Zeiten und Haltungen. „Heute“, sagt er, „arbeiten die Völker Russlands und Deutschlands eng miteinander zusammen und tauschen sehr gern Erfahrungen aus auf verschiedenen Gebieten.“ Nicht nur die Aussöhnung, sondern die zunehmende Annäherung böten Garantie für Stabilität und Prosperität.

Auf all das stoßen die Gäste sodann mit reichlich Wodka an. Lediglich einige Zivilisten und Diplomaten, darunter Ernst-Jörg von Studnitz und der Protokollchef des Auswärtigen Amtes, Bernhard von der Planitz , bleiben angesichts der erst mittäglichen Stunde lieber noch bei reinem Wasser. Aber egal, was drin ist, das Ritual sieht vor, dass die Gäste der Zeremonie ihr Glas erheben und „Druschba“ sagen.

Der Tag, der an das Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert, wird in Russland eigentlich erst am heutigen 9. Mai gefeiert, weil wegen der verschiedenen Zeitzonen die Kapitulation dort erst dann ankam. In der DDR war der 8. Mai zeitweise ein Feiertag, bis er zur Steigerung der Produktivität in einen normalen Werktag umgewandelt wurde. Bi

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