Berlin : Ein glückloses Abenteuer im Osten

Die Berlin Hyp gab der Immobilienfirma Aubis Millionenkredite. Deshalb stehen 15 Banker vor Gericht

Ralf Schönball

Im Fall Aubis füllt sich die Anklagebank zum zweiten Mal. Beim ersten Mal saßen die Geschäftsführer des verschachtelten Immobilien-Imperiums auf der Strafbank: Der Prozess gegen Klaus Wienhold und Christian Neuling läuft noch. Der Vorwurf: Die Manager sollen von den Erträgen einer Firma profitiert haben, die Mietern von Plattenbauten angeblich überhöhte Heizkostenabrechnungen gestellt hat. Den Kern des Falles Aubis berührt dieses Verfahren nicht. Das kommt erst jetzt, im zweiten Prozess. Nun sitzen die, die damals bei der Berlin Hyp für die Vergabe von Krediten verantwortlich waren, als Angeklagte vor Gericht. Und sogar deren Kontrolleure, die Aufsichtsräte. Das ist selten in der Bundesrepublik. Es ist auch kein gewöhnlicher Prozess, weil hier eine schwierige Gemengelage aus privaten Interessen, aus Bankgeschäften und politischen Zielen vorliegt. Versuch einer Entflechtung.

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Aubis – das schnelle Geld. Die neunziger Jahre waren für Immobilienhändler die goldenen Jahre. Jeder bekam viel Geld von Banken und von privaten Anlegern, weil der Staat Steuern erließ, wenn man Immobilien im Osten erwarb. Zuletzt wurden sogar Käufer von Plattenbauten mit Steuergeschenken überhäuft. Deshalb stiegen ein ehemaliger Polizist (Klaus Wienhold) und ein Geschäftsmann mit Erfahrungen aus der Ölbranche (Christian Neuling) in das Geschäft ein. Da beide nur wenig eigenes Geld hatten, stellten sie Kreditanträge bei Banken, um Plattenbauten zu kaufen. Ein Geldhaus gab ihnen besonders viele und große Beträge: die Berlin Hyp. Deren Vorstandssprecher war Klaus Landowsky, ein Parteifreund der beiden früheren CDU-Abgeordneten.

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Aubis – die Parteispende . An das große Geschäft mit Plattenbauten glaubten viele Banker nicht. Skeptisch waren auch Fachleute und Sachbearbeiter in der Berlin-Hyp. Die ersten Kreditanträge für die Aubis-Geschäfte unterschrieben sie. Doch als immer neue Anträge hinzukamen, weigerte sich eine Sachbearbeiterin, der Aubis-Gruppe noch mehr Geld zu geben. Aubis-Chef Wienhold beklagte „die schleppende Kreditbearbeitung“. Am 4. Oktober traf der Aubis-Chef Klaus Wienhold den Banker und CDU-Politiker Landowsky in dessen Büro in der Berlin-Hyp. Wienhold überreichte Landowsky eine Barspende in Höhe von 40 000 Mark. Zwei Monate später bekam die Aubis-Gruppe einen weiteren Kredit der Berlin-Hyp in Höhe von 80 Millionen Mark. Einen Zusammenhang zwischen der Spende und der Kreditbewilligung haben Landowsky und die Aubis-Manager stets entschieden bestritten.

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Aubis – Geld- und Parteigeschäfte. Die CDU-Mitglieder und Aubis-Chefs Wienhold und Neuling verbanden auch Parteiinteressen mit Klaus Landowsky. Im Mai 1995 wurde gemeinsam über den Wahlkampf der Berliner Christdemokraten diskutiert. Die spätere Spende der CDU-Mitglieder wurde teilweise für diesen Wahlkampf verwendet. 25 000 Mark erhielt der Landesverband der Union, 10 000 Mark der CDU-Kreisverband Steglitz-Zehlendorf und 5000 Mark ein CDU-Pressesprecher für Wahlkampftätigkeiten.

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Aubis – die Fonds. Im August 1997 hatte die Aubis-Gruppe erste Zahlungsschwierigkeiten. Landowsky, der in der Bankgesellschaft Berlin als „Immobilienvorstand“ geführt wurde, befürwortete eine Rettung der Aubis-Gruppe. Und die ging so: Knapp 4000 Wohnungen, die Wienhold und Neuling erworben hatten, wurden auf Umwegen in die umstrittenen Immobilienfonds der Bankgesellschaft überführt. Dabei floss ein Kaufpreis, der dazu diente, Millionen-Kredite zurückzuzahlen, die Landowskys Bank gewährt hatte.

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Aubis – der Schaden. Im Jahr 2000 musste die erwartete Dividende der Berlin-Hyp in Höhe von 135 Millionen Mark auch deshalb gestrichen werden, weil die Bank noch einmal 213 Millionen Mark für die wirtschaftlichen Risiken bei den Aubis-Geschäften zurücklegen musste. Bereits zuvor waren 70 Millionen Euro ausgegeben worden, um die Sanierung der Aubis-Gruppe einzuleiten. Auch die knapp 4000 Wohnungen, die heute in den Immobilienfonds der Bankgesellschaft Berlin geparkt sind, verursachen Verluste. Da das Land Berlin für die Risiken der Fonds gesetzliche Garantien übernommen hat, müssen auch diese Kosten möglicherweise im Laufe der Jahre aus dem Landeshaushalt bezahlt werden.

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