Berlin : Ein goldener Fußball zum Geburtstag

Die scheidende Ausländerbeauftragte Barbara John wird heute 65 Jahre – und hat noch viel vor

Amory Burchard

Zu ihrem 65. Geburtstag am Sonnabend hat Barbara John sich und ihren Kollegen im Amt Alltag verordnet. „Sie feiert nicht, und am Montag ist ein ganz normaler Arbeitstag“, habe die Ausländerbeauftragte im Büro verkündet, sagt eine Mitarbeiterin. Ein Geschenk gibt es trotzdem, und zwar vom Berliner Fußball-Verband. Auf dessen Neujahrsempfang wird sie am heutigen Sonnabend mit dem „Goldenen Fußball“ ausgezeichnet, weil sie den Verband bei der Integration ausländischer Spieler stets unterstützt hat.

Um das Datum, an dem Barbara John offiziell in den Ruhestand gehen sollte, gab es in den vergangenen Monaten große Aufregung: John hatte angeboten, nach dem 18. Januar zwei Jahre lang ehrenamtlich weiterzuarbeiten. Sozialsenatorin Heidi-Knake Werner (PDS) lehnte das ab. Dann musste sie auf ihre Wunschkandidatin Anetta Kahane verzichten, als deren Stasi-Verstrickung bekannt wurde. Und jetzt - ganz normaler Arbeitsalltag in der Potsdamer Straße 65, wo John seit 20 Jahren sitzt?

Klar, sagt Barbara John, was sonst. Nur die schon traditionelle Runde Erbsensuppe in der Mittagspause werde sie ausgeben. „Mit und ohne Schweinefleisch“, aus Rücksicht auf muslimische und jüdische Mitarbeiter. Für eine private Feier am Sonnabend habe sie schlicht keine Zeit. Am Vormittag geht es zum Berliner Fußballverband, um den goldenen Ball abzuholen . Abends ist John gemeinsam mit dem indischen Botschafter Gast beim Indischen Erntedankfest in der Werkstatt der Kulturen.

An den Gedanken, ihr Amt als Ausländerbeauftragte nur noch wenige Monate auszuüben, habe sie sich mittlerweile gewöhnt, sagt John. Jetzt bereite sich sich auf ihre neue ehrenamtliche Aufgabe in der Schulverwaltung vor. John wird Sprachfördermaßnahmen in Kitas und Schulen begleiten und helfen, die Ausbildung von Lehrern und Erziehern zu verbessern. „Wir müssen erreichen, dass jeder Lehrer, der zweisprachige Kinder vor sich hat, qualifiziert ist.“ In den Schulen sollen Qualitätsstandards für den Sprachunterricht eingeführt werden. Außerdem will John eine Strategie erarbeiten, wie man die Eltern ausländischer Kinder „viel stärker einbeziehen“ kann.

Auch in der Sozialverwaltung will man von der Aufregung der vergangenen Monate nichts mehr wissen. „Barbara John arbeitet in ihrer Funktion bis Ende Mai weiter wie bisher“, sagt die Sprecherin der Sozialsenatorin, Roswitha Steinbrenner. Allerdings nicht ehrenamtlich: Das sei „haushaltsrechtlich nicht möglich“. Barbara John hat einen Zeitvertrag mit der Sozialverwaltung geschlossen. Wenn ihre Rentenhöhe feststehe, solle sie mit der Verwaltung über eine Aufwandsentschädigung sprechen, sagt die Ausländerbeauftragte.

Ein Nachfolger für John wird unterdessen noch gesucht: Bis Ende Dezember konnten sich Interessenten für das Amt der Integrationsbeauftragten melden. „Mehrere Dutzend Bewerbungen“ würden jetzt gesichtet, sagt Verwaltungssprecherin Steinbrenner. Der oder die Neue soll am 1. Juni anfangen.

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