Berlin : Ein Grab für 122 Millionen Euro

Beim Verkauf der Pyramide in Marzahn gehen die Anleger leer aus

Ralf Schönball

Abends ist das Gebäude beleuchtet – doch es wirkt trotzdem gespenstisch. Denn in der Pyramide an der Landsberger Allee steht die Hälfte der Büros leer. Seit zehn Jahren ist das so – das Bürohaus wurde zum Sinnbild für die überspannten Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung Berlins. Und nun auch zum Millionengrab: Die 3200 Anleger, von deren Geld die Pyramide größtenteils errichtet wurde, müssen 122 Millionen Euro in den Wind schreiben. Der Initiator des Bauvorhabens ist dagegen fein raus: Die Fundus-Gruppe ist durch den Verkauf des Bürohauses für ein Zehntel der Baukosten einen großen Verlustbringer losgeworden.

Für den Fondsmulti kommt der Verkauf zur rechten Zeit. Schließlich sammelt Fundus immer noch Geld bei Anlegern ein. Damit soll unter anderem die Erweiterung vom Hotel Adlon am Pariser Platz bezahlt werden. Auch für den Ausbau eines Hotel-Komplexes in Heiligendamm wirbt Fundus-Chef August Jagdfeld erneut um das Vertrauen von Anlegern.

„Die Pyramide ist verkauft“, bestätigte Jagdfeld-Sprecher Johannes Beermann dem Tagesspiegel. Damit habe das seit Jahren anhaltende Ringen um eine finanzielle Sanierung des „Fundus-Fonds 27“ ein Ende. Über den Namen des Erwerbers und den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Nach Informationen des Fondsexperten Stefan Loipfinger soll der Käufer 16,1 Millionen Euro für das Bürohaus in Marzahn bezahlt haben. Ein Spottpreis gemessen an den Baukosten; rund 145 Millionen Euro waren bereits bei der Errichtung der Pyramide vor genau zehn Jahren in das Marzahner Bürohaus geflossen.

Mit den Baukosten war es aber nicht getan. Vier Jahre nach der Fertigstellung des Baus war der Fonds nicht mehr flüssig, denn in die Pyramide zogen nicht genügend zahlungskräftige Mieter ein. Man beschloss, noch mehr Geld einzusammeln, 15 Millionen Euro. Auch dieses Geld kam von Anlegern, weil Fundus ihnen viele Steuervorteile und hohe Ausschüttungen versprach. Doch auch diese Kapitalspritze war bald verbraucht. Ab Mitte 2003 stand die Pyramide erneut vor Zahlungsproblemen: Der Fonds konnte Zinsen für Kredite, die ihm Banken gewährt hatten, nicht bezahlen.

Einige der um ihr Geld gebrachten Anleger wollen nun den Gerichtsweg beschreiten. Nach Angaben von Rechtsanwalt Peter Mattil könnte Fundus-Chef Jagdfeld auch persönlich für die Rückzahlung der Einlagen in Anspruch genommen werden. Mattil prüft derzeit, ob die Anleger sogar vorsätzlich getäuscht wurden.

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