Berlin : Ein Griff – und weg war das Bild

Liebermann gestohlen wegen mangelnder Sicherheitsmaßnahmen

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Gucken, greifen, abhauen. Es war ganz einfach. Der Dieb, der am Freitag aus der Galerie Walentowski im Hotel Adlon eine Original-Zeichnung von Max Liebermann und eine kleine Skulptur gestohlen hat, hatte das Geschäft nicht einmal betreten müssen. Beides stand auf einer gläsernen Konsole neben der Tür. Ein rascher Griff – weg waren sie, eine Alarmanlage gab es nicht, und Peggy Lange, die Geschäftsführerin, weiß nur, dass es zwischen zwölf und zwei Uhr geschehen sein muss. Der Laden war schon seit dem Morgen voll. Viel Laufkundschaft war da nach der Enthüllung des Brandenburger Tores.

Schlittschuhläufer im Tiergarten zeigt die kleine Bleistift- und Kreidezeichnung auf festem Papier. Vier mit schnellen Strichen nur angedeutete Gestalten, die übers Eis wirbeln. Für 5000 Euro hatte das Unikat verkauft werden sollen. Knapp 17 Zentimeter in der Breite und 12 in der Höhe misst es, der Dieb hätte es also sogar unter dem Mantel leicht abtransportieren können. Auch die Skulptur eines Liebespaars von Erwin Schinzel – Verkaufspreis 8000 Euro – war nur klein, mit fünf Kilo allerdings schwer. Inmitten all der Besucher in der kleinen Ladenpassage ist ein buckliger oder bauchiger Dieb aber wohl niemandem aufgefallen. „Die Polizei war da, und die Versicherung ist benachrichtigt“, sagt Peggy Lange. Sie geht davon aus, dass die auch bezahlt – obwohl die Sicherheitsvorkehrungen mangelhaft waren.

Auf 75 Quadratmetern bietet die Galerie in der Adlon-Passage hochwertige Kunst. Chagalls hängen an den Wänden, ein Dalí, ein Original von Ernst Fuchs. Dennoch gibt es nur eine Kamera. Die überwacht den Verkaufsraum, aber nicht den Eingangsbereich. Im vergangenen Jahr war jemand sogar schon mit einem kleinen Picasso geflüchtet. Den Dieb hatte Peggy Lange nach einem Spurt noch stellen können. Bis neue Alarmanlagen eingebaut sind, klebt Peggy Lange die Bilder, die nun neben der Tür stehen, mit Tesafilm an ihrer Staffelei fest. rcf

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