Berlin : „Ein großzügiges Angebot“

Senat will Fonds zurückkaufen. Anleger Sinell hatte das schon lange angeregt

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„Es ist doch klasse, dass jetzt Bewegung in die Sache kommt“, sagt Stefan Sinell. Vor einem Jahr hatte er sich darüber aufgeregt, dass Anleger von Bankgesellschaftsfonds staatliche Garantien in Anspruch nehmen, weil ihre Geldanlagen kaum Gewinne ausschütten. Sinell, Unternehmensberater und Geschäftsführer eines Designerbüros, hatte 1995 auch Fondsanteile gekauft. Aber im März 2004 erklärte er sich bereit, auf einen Teil der versprochenen Rendite freiwillig zu verzichten.

Für seinen – im Tagesspiegel veröffentlichten – Vorschlag wurde der Freiberufler von anderen Fondszeichnern beschimpft. Und in den Gesellschafterversammlungen des LBBFonds 4, in den Sinell 15 300 Euro gesteckt hatte, wurden seine Argumente ignoriert. Jetzt hat der Senat etwa 40 000 frustrierten Zeichnern das Angebot gemacht, ihre zweifelhafte Kapitalanlage zurückzukaufen. Unter Berücksichtigung der Steuerersparnis und einer fünfprozentigen Verzinsung sollen die Anleger durchschnittlich 72 Prozent des Eigenkapitals zurückbekommen. Sinell findet dieses Angebot durchaus großzügig. „Ich werde froh sein, wenn ich aus dieser Sache raus bin.“

Er ist überzeugt, dass mehr als 20 Prozent der Fondszeichner ihre Anteile zurückgeben werden. Den Rechtsanwälten und organisierten Fondsaktivisten, die nicht glauben, dass eine größere Zahl von Anlegern das Senatsangebot annehmen, ist er gram. Sie seien es nämlich, „die von einer jahrelangen Auseinandersetzung zwischen Senat und Anlegern profitieren“. Alle anderen könnten in diesem Streit nur Zeit und Geld verlieren.

Das sehen die Anwälte, die tausende Fondseigentümer vor Gericht vertreten und Schadensersatz einklagen, natürlich anders. Es könne nicht sein, dass frühere vertragliche Zusagen „heute ohne Wert sind; daran muss sich auch der Senat messen lassen“, schreibt zum Beispiel die Düsseldorfer Kanzlei Schneider und Schwegler in einer ersten Einschätzung. Sie haben Wirtschaftsprüfer beauftragt, um das Senatsangebot prüfen zu lassen.

Die Unternehmensberaterin Kerstin Kondert, die eng mit dem Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Schirp zusammenarbeitet, wirft dem Senat indirekt vor, die Anleger übers Ohr hauen zu wollen. Sein Angebot, das 1,8 Milliarden Euro wert sei, liege weit hinter den amtlichen Risikoeinschätzungen für die Immobiliengeschäfte der Bankgesellschaft. Selbst das „Best-Case-Szenario“ erwarte einen Schaden von 2,73 Milliarden Euro für das Land Berlin. za

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