Berlin : Ein hart umkämpfter Markt

cs

Sozialstationen melden reihenweise Pleite an, werden von einem zum anderen geschoben: Berlins Hilfseinrichtungen, die zehntausende alte und kranke Menschen zu Hause versorgen, sind in der Krise. Aus Sicht der Wohlfahrtsverbände ist "Krise" sogar noch untertrieben. "Wir sind in einer echten Notsituation", sagt der Chef der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Hans-Wilhelm Pollmann. Und diese Misere habe bereits Mitte der 90er Jahre begonnen.

Damals bekamen AWO, Rotes Kreuz (DRK) und andere Wohlfahrtsverbände erstmals private Konkurrenz, eine Folge des 1995 verabschiedeten Pflegeversicherungsgesetzes. Es förderte Privatfirmen, die gleichfalls häusliche Kranken- und Altenpflege betreiben wollten, denn zuvor war die Pflege eine Domäne der gemeinnützigen Verbände und in gewisser Weise deren Ruhekissen. Man musste nicht effizient arbeiten, die Gelder flossen ohnehin. Entsprechend wurden hohe Summen verschleudert - ein Ärgernis, dem der Gesetzgeber nun einen Riegel vorschob, denn Konkurrenz zwang zu Rationalisierungen.

Hinzu kam 1998 ein Vorstoß der Betriebskrankenkassen, die damals erstmals in eigener Regie mit einzelnen Betreibern von Sozialstationen eigene Verträge abschlossen. Sie boten allerdings rund 20 Prozent weniger Honorar als üblich, weshalb sich bis heute nur Privatanbieter darauf einließen. Da alle Wohlfahrtsverbände Tarife des öffentlichen Dienstes zahlen, konnten sie nicht mithalten. Dennoch senkten auch die übrigen Kassen ihre Zahlungen für die Pflege um zehn Prozent.

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