Berlin : Ein Hauch von New York am Tacheles

Der Bauantrag für ein neues Quartier hinter dem Kunsthaus ist gestellt – entstehen soll ein lebendiges Viertel, dessen Architektur an amerikanische Vorbilder erinnert

Holger Wild

Alles wird die Fundus-Gruppe den Käufern ihrer Appartements an der Oranienburger Straße versprechen können: Eine Luxus-Wohnanlage mit den Service-Leistungen eines benachbarten Hotels, ausreichend Stellplätze und einen Wochenmarkt in unmittelbarer Nähe. Dazu eine Lage, wie sie zentraler in Berlin kaum zu finden ist.

„Leben bis vier Uhr morgens, direkt vor der Haustür“, schwärmt Projektleiter Karl-Heinz Maschmeier vom „Quartier am Tacheles“. Fünf Gebäude sind auf der beinahe drei Hektar großen Brachfläche zwischen Friedrich-, Oranienburger und Johannisstraße geplant. Der Bauantrag ist jetzt gestellt worden; die Baugenehmigung wird für die nächsten Monate erwartet. Dann könnte es losgehen. Die Bauzeit ist auf drei Jahre veranschlagt. 400 Millionen Euro sollen investiert werden, es entstehen 24 500 Quadratmeter Wohn- und 34 500 Quadratmeter Bürofläche, dazu 17 000 Quadratmeter für Einzelhandel und Gastronomie sowie ein 5-Sterne-Business-Hotel.

Das – wenngleich viel kleinere – Vorbild dieser Quartiersplanung findet sich am anderen Ende der Oranienburger Straße: Es sind die Hackeschen Höfe. Mit zwei aufeinander folgenden Höfen beginnt an der Friedrichstraße auch das Fundus-Viertel; über ihnen reckt sich wie ein Ausrufezeichen ein zehnstöckiger Wohnturm in die Höhe. In diesen „Tacheles-Höfen“ soll sich hochwertiger Einzelhandel ansiedeln. In den Obergeschossen liegen Büros, ganz oben über der Traufkante zurückgestaffelte Wohnungen. Die heute noch riesige Freifläche des Tacheles wird mit diesen Höfen fast überbaut sein. Nur zwei kleine Plätze bleiben an der Rückfront des Kunsthauses. Hier könnten im Sommer Konzerte, Straßentheater-Aufführungen oder Ähnliches stattfinden, möglichst in Zusammenarbeit mit den Künstlern des Tacheles. Dieses ist ja nicht nur die international bekannte Marke, die dem Projekt seinen Namen gibt, sondern auch der Magnet, von dessen jährlich 300 000 Besuchern das ganze neue Quartier profitieren soll.

Das Herz des Anlage nach dem Masterplan des Büros DPZ aus Miami aber ist der trapezförmige „Augustplatz“, der schräg von der Oranienburger abgeht. Er soll Besucher von diesem Ende her in das Quartier locken, unterstützt durch ein keilförmiges Gebäude zwischen Oranienburger Straße und dem Platz – das so genannte „Flatiron“ (Bügeleisen). So heißt auch das berühmte New Yorker Hochhaus von 1902, damals das höchste Gebäude der Welt und auf einem ähnlich dreieckigen Grundstück errichtet. Dem „Flatiron“ gegenüber erhebt sich auf der anderen Flanke des Augustplatzes das mächtige Appartement-Gebäude „Tacheles Residence“, ein von mehreren turmartigen Aufbauten gekröntes Wohnhaus nach dem Vorbild einer Anlage in Upper Manhattan. Etwa 160 luxuriöse Eigentumswohnungen von 80 bis 300 Quadratmetern entstehen hier. „Wir haben schon Anfragen von diplomatischen Vertretungen, die für die Botschafter repräsentative Residenzen in der Innenstadt suchen“, sagt Fundus-Projektleiter Maschmeier.

Geworben wird für die Appartements auch damit, dass ihre Bewohner die Dienstleistungen des 5-Sterne-Hotels in Anspruch nehmen dürfen, dessen Eingang an der Schmalseite des „Augustplatzes“ liegt. Auch bei dessen Architektur standen laut Maschmeier New Yorker Vorbilder Pate. Das fünfte Gebäude des Quartiers schließlich trägt den Verweis schon im Namen: „Lofts“. Doch an Gewerbeetagen wird es nur von außen erinnern; tatsächlich enthält es wie das „Flatiron“ Büros und ganz oben Wohnungen.

Dennoch wird hier in der Spandauer Vorstadt kein Klein-New-York errichtet. Die Gebäudesockel erhalten eine Natursteinverkleidung, darüber werden die Fassaden – typisch Berlin – sandfarben verputzt. Die Architektur folgt traditionelleren Mustern als das meiste, was zuletzt in Berlin gebaut wurde. Noch ist allerdings ein Problem zu lösen: Mit dem Bau des Quartiers beginnen wird Fundus erst, wenn die Hälfte der Flächen vermarktet ist.

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