Berlin : Ein Hauch von Seidenstraße HINTER DEN FASSADEN DER DIPLOMATIE: BERLINER RESIDENZEN

Usbekistan am Kreuzberg: Zu Hause bei Botschafter Vladimir Norov

Natascha Meuser

Der Kreuzberg gehört nicht zu den Renommieradressen. Dass es auch dort repräsentativ zugehen kann, beweist ein Backstein-Schlösschen: Die Sixtus-Villa steht als eines der wenigen Zeugnisse großbürgerlicher Wohnambitionen in Kreuzberg unter Denkmalschutz. 1880 wurde sie für den Vorstand der benachbarten Schultheiss-Brauerei errichtet. In der Beletage residiert heute der Botschafter Usbekistans, Vladimir Norov, mit seiner Familie.

Ein direkter Zugang zum hügeligen Park verleiht dem ansehnlichen Gebäude aus dem Gründerzeitalter auch heute noch etwas von der Großzügigkeit des späten 19. Jahrhunderts. In den modernen Räumen wird ein Hauch von Seidenstraße spürbar: orientalische Teppiche, Stoffe mit den floralen Dekoren des Islam. Für Stühle, Sofakissen und Tischdeckchen ließ der Hausherr usbekische Stoffe importieren, die Ornamente an den Spiegeln wurden von usbekischen Handwerkern gefertigt. Nur sie beherrschen die Technik, Blätter und Schlingpflanzen aus weichem Gips zu schneiden. Schon häufig waren ranghohe Politiker hier zu Gast. Davon zeugen mit landestypischen Tonfigürchen zu Stillleben arrangierte Fotos auf Anrichten. Das Haus wird dem Botschafter-Ehepaar nicht mehr lange als Heim dienen. Die Familie zieht in die Perleberger Straße in Moabit, wo im Garten der Botschaft eine neue Residenz entsteht.

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