Berlin : Ein Haus für Raus Bücher

Sammlung des Altbundespräsidenten kommt ins Wilmersdorfer Schoeler-Schlösschen

Michael Zajonz

Johannes Rau ist ein Büchernarr. So jedenfalls beteuert es Christina Rau, die Ehefrau des Altbundespräsidenten. 13 Jahre lang leitete ihr Mann einen Verlag, bevor er in die Politik wechselte. Die Liebe zu den Büchern ist geblieben. Über 12000 Bände umfasst die private Büchersammlung der Raus heute: Theologie, Geschichte, Biographien, aber auch populäre Witz-Sammlungen. Eine Auswahl daraus soll nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Hamburger Zeit-Stiftung hat sich bereit erklärt, bei der Konzeption der „Johannes-Rau-Büchersammlung“ nach dem Vorbild amerikanischer Präsidenten-Bibliotheken mitzuwirken. Raus Bücher werden in wenigen Jahren in Wilmersdorf eine Heimstatt finden: Das Schoeler-Schlösschen, das älteste Bauwerk des Stadtteils, soll für diese und weitere kulturelle Nutzungen saniert werden.

Umbau und künftige Bewirtschaftung des vor 250 Jahren gebauten bürgerlichen Landhauses, das heute inmitten der Stadt steht, übernimmt die Stiftung Denkmalschutz Berlin. „Eine glückliche Fügung“, sagte Christina Rau bei der gestrigen Vertragsunterzeichnung mit der 1999 gegründeten gemeinnützigen Stiftung, die derzeit Baudenkmäler wie das Charlottenburger Tor oder das Strandbad Wannsee saniert. Beim landeseigenen Schoeler-Schlösschen wird sie erstmals mit einem 20-jährigen Nutzungsrecht belohnt.

Neben Raus Bibliothek wollte die Stiftung dort auch den Nachlass des Berliner Bildhauers Waldemar Grzimek präsentieren. Der Grenzgänger zwischen Ost und West arbeitete jahrzehntelang in unmittelbarer Nachbarschaft. Im Dezember 2005 entschieden sich die Grzimek-Erben anders: Über 100 von 130 Skulpturen gingen als Schenkung ans Bremer Gerhard-Marcks-Haus. Aus dem Verbliebenen soll nun zumindest an Grzimek erinnert werden. Späte Einsicht in die beschränkten Wilmersdorfer Möglichkeiten? Jürgen Fitschen, Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses, kennt das Schoeler-Schlösschen noch aus Berliner Studientagen: „Es ist denkbar ungeeignet für die Präsentation von Skulpturen.“

Ins Wanken geraten könnte das Konzept der Stiftung auch bei der geplanten Restaurierung des Schoeler-Schlösschens. Das 1765 im Auftrag des Kaufmanns Cornelius Adrian Hesse erbaute Landhaus hat sich über die Jahrhunderte stark verändert. Der Name erinnert an den Augenarzt Heinrich Schoeler, der dort von 1893 bis 1918 lebte. Die heutige Gestalt erhielt das Haus erst 1934/35. Damals wurde es um ein Geschoss aufgestockt. Die Stiftung möchte die aus Sicht ihres Geschäftsführers Helmut Engel „entstellende Brachialgewalt“ durch Abriss des Stockwerks und Rekonstruktion des barocken Zustands beseitigen – obwohl sich dieser weder durch Abbildungen noch durch historische Pläne genauer belegen lässt. Denkmalschützer hatten sich aber gegen solch einen Umbau ausgesprochen.

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