Berlin : Ein Haus für Unbehauste

Obdachlosenärztin will ihren Lebenstraum mit Spenden verwirklichen

Aliki Nassoufis

Jenny De la Torre hat sich viel vorgenommen. Die kleine Frau will in Berlin ein Gesundheitszentrum für Obdachlose gründen. Das Haus hat sie schon. Doch Toiletten und Duschen müssen eingebaut, Wände durchbrochen und Elektroleitungen neu verlegt werden. „Während meiner Arbeit als Obdachlosenärztin habe ich gemerkt, dass medizinische Versorgung nicht reicht“, sagt De la Torre. Deswegen entschied sie sich, ihr Angebot auszuweiten. Eine Arztpraxis, Suppenküche, Kleiderkammer sowie Sprechstunden eines Sozialarbeiters, einer Rechtsberatung und eines Psychologen – dies alles soll es unter einem Dach in der Pflugstraße 12 in Mitte geben.

„Dieses Haus ist ideal“, sagt die gebürtige Peruanerin. Das Bezirksamt Mitte hat es ihrer 2002 gegründeten Stiftung für zehn Jahre mietfrei überlassen. „Es liegt nahe an einer U-Bahn-Station, ist im Zentrum Berlins und hat sogar einen Garten, in dem sich die Obdachlosen aufhalten können.“ Sie strahlt, wenn sie von ihren Plänen erzählt. Dieses Projekt ist ihr Lebensziel, sagt sie. Ihr Herz für wohnungslose Menschen wurde zufällig geweckt. Nach einer Facharztausbildung zur Kinderchirurgin in Deutschland wollte sie wieder in Peru arbeiten, aber ihre Qualifikationen wurden nicht anerkannt. De la Torre kam zurück nach Berlin. Im Mai 1994 wurde ihr ein Job als Ärztin für Obdachlose angeboten. Damit hatte sie ihre Berufung gefunden. Sie behandelte bisher 5000 Patienten mit Hautkrankheiten, Läusen oder auch offenen Beinen. Ihre Praxis am Ostbahnhof musste sie 2003 schließen, weil die Finanzierung nicht mehr gesichert war.

De la Torre gibt nicht auf. „Viele Menschen haben Vorurteile gegenüber Obdachlosen“, sagt sie. „Dabei würden sie ja gerne weg von der Straße, schaffen es aber oft nicht.“ Sie lebten in einer anderen Welt. Ein Zurück fällt schwer. Aber: „Jeder hat eine Chance verdient“, sagt die 50-Jährige immer wieder. Die will sie mit ihrem Zentrum bieten. Auf drei Etagen soll es warmes Essen, Kleidung, medizinische Versorgung und Hilfe bei der Wohnungssuche geben.

Bis dieser Traum allerdings Realität wird, werden noch einige Monate vergehen. Denn noch fehlt viel Geld. Für die Umbauarbeiten, die medizinischen Geräte und die Honorare für die Mitarbeiter. Aus Sicherheitsgründen muss außerdem eine Fluchttreppe von der Küche in den Garten gebaut werden. Auch die ist teuer. Deswegen hat De la Torre bereits Berliner Unternehmer um finanzielle Unterstützung gebeten, erste Zusagen gibt es. Und wenn das Spendengeld nicht für alles reicht? „Wir bauen dann nach und nach um.“ Zunächst würde die Arztpraxis öffnen, später würde der Sozialarbeiter seine Hilfe anbieten. Noch hängen an den Türen der leeren, mit Linoleum ausgelegten Räume Zettel. Verbandszimmer, Vorratsraum und Warteraum steht drauf. „Wir brauchen noch viel Hilfe“, sagt De la Torre.

Wir freuen uns über Spenden an: Spendenaktion Der Tagesspiegel e.V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Kontonummer 25 00 30 942, Berliner Sparkasse, Bankleitzahl 100 500 00. Bitte geben Sie Namen und Anschrift komplett an, damit wir Ihnen den Spendenbeleg zuschicken können. Auch Onlinebanking ist möglich. Alles über „Menschen helfen!“ im Internet: www.tagesspiegel.de/spendenaktion.

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