Ein Herz für Kinder : Große Prinzenrolle für Harry

Der Enkel der Queen besucht erstmals Berlin. Er will für sein Kinderhilfsprojekt werben – und die frühere Grenze besichtigen.

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Majestätischer Besuch. Prinz Harrys Großeltern waren bereits mehrfach in Berlin. Für ihn selber ist es eine Premiere. Fotos: AFP
Majestätischer Besuch. Prinz Harrys Großeltern waren bereits mehrfach in Berlin. Für ihn selber ist es eine Premiere. Fotos: AFPFoto: AFP

In irgendeiner Abstellkammer des Roten Rathauses wird das royale Präsent wohl noch herumstehen: ein gläserner Pokal mit den Wappen des Prince of Wales und Berlins, zerbrechliches Symbol einer unverbrüchlichen Freundschaft, offizielles Mitbringsel von Prinz Charles und Lady Di bei ihrem Besuch im Westteil der Stadt am 1. November 1987. Auch ein prinzliches Bonmot ist überliefert, gerichtet an den damaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen bei Übergabe des Humpens: „Wenn das runterfällt, macht es viel Lärm.“

Das Prinzenpaar kam ohne seine Kinder, brachte also Little Willy und Little Harry um die Chance, schon in jungen Jahren einen Blick auf die damals noch zweigeteilte Stadt zu werfen. Bei William ist das bislang so geblieben und daran ändert sich wohl vorerst auch nichts: Keine Zeit, Hochzeitsvorbereitungen! Prinz Harry aber holt den Besuch an diesem Wochenende nach: An diesem Sonnabend ist er abends zu Gast bei der ZDF-Spendengala der „Bild“-Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“, die Thomas Gottschalk live aus der Ullstein-Halle des Axel-Springer-Hauses in Kreuzberg moderieren wird. Stargast der Sendung ist Kylie Minogue, außerdem sind unter anderem Pur, Paul Anka, Rolando Villazón, Karlheinz Böhm, Maria Furtwängler, Dieter Thomas Heck, Wladimir Klitschko, Guido Westerwelle, Stephanie zu Guttenberg und Bettina Wulff angekündigt.

Dass auch Harry – offiziell heißt er Henry Charles Albert David Mountbatten-Windsor – auf der Liste steht, verdankt er außer seinem blauen Blut vor allem seinem Engagement für Kinderhilfsprojekte. Bei der Gala will er seine Organisation Sentebale vorstellen, die er 2006 mit Prinz Seeiso von Lesotho gegründet hatte und die Waisen und gefährdeten Kindern in dem von HIV-Infektionen heimgesuchten Lesotho helfen soll. Für seine Arbeit wird dem Prinzen auf der Gala der Ehrenpreis „Goldenes Herz“ verliehen, den schon Prominente wie Königin Silvia von Schweden, Steffi Graf, Jane Fonda oder George Clooney erhalten haben.

Prinz Harry, dritter in der britischen Thronfolge, wird bis Sonntag bleiben. Am frühen Vormittag will er morgen gemeinsam mit dem britischen Botschafter Simon McDonald einen offiziellen Blick aufs Brandenburger Tor werfen. Auch wird er im Laufe des Wochenendes zu einem privaten Besuch in der Mauergedenkstätte Bernauer Straße erwartet.

Harrys Besuch schließt sich an eine ganze Reihe von Visiten der Royal Family in Berlin an. Die Queen war bereits sechs Mal in der Stadt, zuletzt 2004 gemeinsam mit Prinz Philip. Ihr Sohn Charles war zuletzt im April 2009 in der Stadt, gemeinsam mit seiner zweiten Frau Camilla, Herzogin von Cornwall. Im Kreuzberger Katzbachstadion besichtigten sie multikulturellen Fußball, im Deutschen Historischen Museum nahm Charles für sein ökologisches Engagement den Deutschen Nachhaltigkeitspreis entgegen, und in Potsdam plauderte er mit Architekt David Chipperfield. Architektur ist auch eines der Lieblingsthemen des Prinzen, doch die moderne Baukunst findet vor seinen Augen vielfach keine Gnade. So war es nur konsequent, dass Charles eines Tages auch in einem Plattenbau auftauchte, in der Wohnung der Familie Kunz im achten Stock eines Hauses in der Hellersdorfer Ernst-Bloch-Straße. Für die Kunzes waren das wohl die denkwürdigsten 15 Minuten des Jahres 1995. Der Prinz nippte am kredenzten Rotkäppchen-Sekt, fragte auch nach der Wohnqualität im Viertel, wollte zudem vom siebenjährigen Sohn wissen, ob er gut in der Schule sei.

Aber die Krone der royalen Stippvisiten waren doch der 18. und 19. Oktober 1985, als Lady Di die Stadt zum ersten Mal beehrte. Die Princess of Wales kam in militärischer Mission, als „Colonel-in-Chief“, also Ehrenoberst des Royal Hampshire Regiments, dessen 1. Bataillon damals in Spandau stationiert war. Es war ein generalstabsmäßig vorbereiteter Besuch, Journalisten, die beim Besuch im Schloss Charlottenburg auf der Pressetribüne sitzen wollten, mussten sich schon fünf Stunden vorher zur Akkreditierung anstellen, zu einer Zeit, als drüben im Buckingham Palace wohl gerade erst das Frühstück serviert wurde. Lady Di landete in Gatow, rollte dann in einer Wagenkolonne nach Charlottenburg, wo sie schon eine staunenswerte Menschenmenge empfing. Drinnen im barocken Kuppelsaal trug sie sich ins Goldene Buch der Stadt ein, mit dem schlichten Namenszug „Diana“. Auch diesmal gab es Präsente, Diepgen durfte einen krönchenverzierten Rahmen mit ihrem Foto entgegennehmen, sie selbst erhielt einen goldgeränderten Porzellanteller mit Edelweißbemalung, Sonderanfertigung der KPM, und dankte mit den Worten: „Ach wie schön. Ach, Edelweiß.“

Ihr zweiter Besuch in der Stadt 1987, gemeinsam mit ihrem prinzlichen Gemahl, war dann schon ihr letzter. Als Prinz Charles im Herbst 1997 wieder einmal vorbeischauen wollte, waren sie bereits geschieden. Doch nach ihrem Unfalltod in Paris am 31. August jenes Jahres sagte er den Besuch kurzfristig ab.

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