Berlin : Ein Herz für Tiere

Wo der Senat sparen will: Zoo oder Tierpark werden wohl nicht geschlossen, aber Friedrichsfelde könnte zum Freizeitpark ausgebaut werden

Ulrich Zawatka-Gerlach

Niemand hat die Absicht, einen Zoo oder Tierpark zu schließen. Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS), der am Montag öffentlich darüber spekulierte, hätte seine Äußerungen am liebsten rückgängig gemacht. Weder Regierung noch Opposition trauen sich, die Tier liebenden Berliner gegen sich aufzubringen. Und außerdem: „Wer den Tierpark Friedrichsfelde oder den Zoologischen Garten zur Disposition stellt, treibt einen Keil durch die Stadt“, verweist der Haushaltsexperte der PDS, Carl Wechselberg, auf übrig gebliebene Ost-West-Befindlichkeiten.

Die staatlichen Zuschüsse für beide Einrichtungen wurden in den vergangenen Jahren schon kräftig gekürzt. Im nächsten Jahr soll der Zoo noch 2,62 Millionen Euro und der Tierpark 8,328 Millionen Euro Landesmittel bekommen. Neue Sparüberlegungen werden jetzt nötig, weil das Urteil des Landesverfassungsgerichts zum Haushalt 2002/03 den Senat zwingt, alle Ausgabenblöcke im Etat – juristisch zweifelsfrei – zu begründen. Kein Bundesgesetz schreibt vor, dass Länder, Städte und Gemeinden wilde Tiere halten müssen. Auch in der Berliner Verfassung wird darüber kein Wort verloren. Das schafft eine gewisse Begründungsnot, stellt die staatliche Förderung Zoologischer Gärten jedoch nicht automatisch in Frage. Diese Meinung vertritt sogar der FDP-Fraktionschef Martin Lindner, der ansonsten fast alles wegsparen will: „Das lenkt nur von den großen Sachen ab; wir müssen über die wirklich kostspieligen Ausstattungsvorsprünge Berlins reden.“

Finanzsenator Thilo Sarrazin, dessen Behörde den Zoo und Tiergarten fachlich betreut, sagt dazu keinen Ton. Der SPD-Fraktionsvorstand hat das heikle Thema gestern kurz gestreift, will aber auch nicht Stellung beziehen. Die CDU stellt sich ebenfalls stumm und vom Grünen-Haushälter Jochen Esser kommt ein donnerndes „sowohl als auch“. Jede Doppelausstattung Berlins gehöre grundsätzlich ins neue Haushalts-Sanierungsprogramm; andererseits bleibe das Recht des Parlaments erhalten, politische Schwerpunkte zu setzen. Sprich: „Das Verfassungsgerichtsurteil zwingt nicht dazu, Zoo oder Tierpark zu schließen, wenn das Sparpaket insgesamt stimmt.“

Obwohl sich die Haushälter mit den Tierfreunden nicht über Kreuz legen wollen, wurden gestern Überlegungen laut, wie schonend gespart werden kann. „Brauchen wir zwei Direktoren, einen für den Zoo und einen für den Tierpark?“, fragte Esser. Auch bei den Eintrittspreisen sei noch was drin. In den Regierungsfraktionen wird darüber nachgedacht, aus dem weitläufigen Gelände in Friedrichsfelde einen Tier- und Freizeitpark zu machen. Dafür gibt es Vorbilder, zum Beispiel in Niedersachsen. Fachleute und Besucher loben die Parks in Jaderberg oder Thüle. Dort werden Achterbahnen, Kometenschaukeln und Wellenrutschen problemlos mit Sumatra-Tigern, Krallenäffchen und Mendesantilopen kombiniert.

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