Berlin : Ein Herz und eine Seele

Deutsch auch in der Schulpause: Wie türkische Blätter über das Thema berichten

Suzan Gülfirat

Seit eineinhalb Wochen diskutiert Berlin über die Frage, ob Schüler nichtdeutscher Herkunft in Schulen mit hohem Migrantenanteil auch in den Pausen Deutsch sprechen sollten. Seit Ende der vergangenen Woche mischen nun auch fast alle türkischsprachigen Medien (einschließlich des Satellitenfernsehens) bei dieser Diskussion mit.

„Er unterstützt die Anordnung der Herbert-HooverSchule“, schrieb die Hürriyet zum Beispiel am Freitag in einer Unterzeile und meinte Schulsenator Klaus Böger (SPD). Auch in der Überschrift des Seitenaufmachers zitierte die Zeitung aus einem Gespräch mit dem Politiker: „Das ist keine Diskriminierung.“ In einem kurzen Text neben dem Aufmacherfoto, auf dem die Leiterin der Schule, Jutta Steinkamp, zusammen mit ihren Schülern zu sehen war, berichtete Hürriyet, dass Rektorin und Schüler „ein Herz und eine Seele“ seien. „Die meisten Schüler stört es nicht, wenn sie die ganze Zeit nur Deutsch sprechen“, hieß es. Genauso kamen auf dieser Seite türkische Verbände zu Wort, die sich über das Verbot empören, und der Leiter des Zentrums für Türkeistudien in Essen, Faruk Sen, der solch eine Anordnung generell befürwortet. Allerdings müsse sie, wie in Berlin, gemeinsam von der Schulleitung, Schülervertretern und Eltern beschlossen werden.

Angefangen hatte der Sprachstreit in der Hauptstadt, als durch Tageszeitungsberichte bekannt wurde, dass die Schüler der Weddinger Realschule seit einem Jahr in den Pausen nur noch Deutsch sprechen dürfen. Am Sonntag berichteten die türkischen Blätter schließlich über einen Vorschlag des schulpolitischen Sprechers der CDU-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg, Robert Heinemann. „Wer kein Deutsch sprechen will, soll den Schulhof kehren“, hieß es in den Überschriften.

Außerdem veröffentlichte die Hürriyet einen Leserbrief. Eingesandt vom Vorsitzenden des „Bundes der türkischen Lehrervereine in Deutschland“, Mete Atay, begann er so: „Mehr als 20 Prozent der Migrantenschüler schaffen nicht einmal einen Hauptschulabschluss.“ Allerdings können man dieses Problem nur beheben, wenn „deutsche und türkische Verantwortliche, türkische Eltern, deutsche und türkische Lehrer“ gemeinsam nach Lösungen suchten. „Wer sieht, dass seine Kultur nicht respektiert wird, kann sich nicht integrieren“, lautete eines seiner Argumente gegen ein Verbot.

Die Tageszeitung Türkiye kommentierte das Thema. Ihr Autor meinte, es sei klar, welche Aufgabe bevorstehe. „Bereits in den Kindergärten muss damit angefangen werden.“ Am Sonntag ging Türkiye einen Schritt weiter und fragte in einer Überschrift auf der Titelseite: „Ist Türkisch sprechen in Europa verboten?“ In dem bebilderten Anriss ging es um einen Schüler, dem eine Schule in Belgien vorgeworfen hatte, er habe im Unterricht einem Klassenkameraden etwas in seiner Muttersprache zugerufen. „Zur Strafe musste er nachsitzen“, so die Zeitung. Dabei habe der Junge nur den Namen des türkischen Fußballspielers Volkan Demirel gerufen.

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