Berlin : Ein Hoch der Liebe

Beim Brautkleiderball wollen die Paare ihren schönsten Tag noch mal erleben

Nana Heymann

Wer die Wahl hat… Wahrscheinlich hatte dieser Spruch für Kristina Bandke- Berndt nie mehr Gültigkeit als jetzt. Drei Brautkleider hängen vor dem Spiegelschrank ihrer Wohnung in Charlottenburg. Die zierliche Frau kann sich nur schwer entscheiden: Das mit der wunderschönen langen Schleppe? Könnte beim Tanzen kompliziert werden. Dann also lieber doch das mit den freien Schultern?

Vor 17 Jahren, als sie heiratete, haben sich ihr solche Fragen nicht gestellt. Damals hatte sie nur ein einziges Brautkleid, und diese Tatsache hat ihr die Hochzeitsvorbereitungen ungemein erleichtert. Der Grund, warum sich die Hausfrau und Mutter dreier Töchter nun wieder mit der Brautkleiderfrage beschäftigt, ist eben so romantisch wie ungewöhnlich: Sie und ihr Mann sind eins von insgesamt 130 Paaren, die heute am Brautkleiderball im Westin Grand Hotel teilnehmen.

Zum zehnten Mal findet der Ball bereits statt. Die Idee dazu kam Hochzeitsveranstalterin Bettina Köbschall, als die Hochzeit ihrer besten Freundin wegen schlechten Wetters buchstäblich ins Wasser fiel und der vermeintlich schönste Tag im Leben in Matsch und Regen endete. Warum also das Ganze nicht einfach wiederholen, dachte sich Bettina Köbschall. Und so wurde aus der anfänglichen Schnapsidee ein Selbstläufer. Mittlerweile findet der Ball auch in Hamburg, München und Stuttgart statt; im nächsten Jahr wird das Konzept in die USA, nach Griechenland und Italien exportiert.

Es ist die Kulisse, die die Teilnehmer fasziniert, die neugierigen und bewundernden Blicke der Passanten, wenn sich die Paare zunächst zum Sektempfang am Gendarmenmarkt versammeln, um gemeinsam Luftballons und Tauben in die Luft steigen zu lassen, und anschließend zum nahe gelegenen Hotel hinüberschlendern. Deshalb nimmt Kristina Bandke- Berndt bereits zum siebten Mal an dem ausgebuchten Ball teil. Eigens dafür hat sich die 43-Jährige zwei weitere Hochzeitskleider gekauft, ihr altes fand sie nicht mehr zeitgemäß. Der Tag des Brautkleiderballs sei ein Tag, den sie ganz für sich und ihren Mann habe, an dem sie miteinander flirten und spüren, wie verliebt sie immer noch sind, erzählt sie. „Ein bisschen fühlt man sich da wie eine Prinzessin“, sagt Kristina Bandke-Berndt, und während sie das sagt, bekommt sie einen romantisch verklärten Blick und entscheidet sich für das schulterfreie Kleid.

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