• Ein hoher Besuch am Pergamonaltar Wie die Hürriyet regelmäßig über den Streit um die Kunstschätze berichtet

Berlin : Ein hoher Besuch am Pergamonaltar Wie die Hürriyet regelmäßig über den Streit um die Kunstschätze berichtet

Suzan Gülfirat

Bülent Arinc ist ein Freund großer Worte. „Wenn ich diese Kulturschätze sehe, blutet mir das Herz“, zitierte die Hürriyet am vergangenen Mittwoch den Präsidenten des türkischen Parlaments. Arinc hatte vor knapp einer Woche auf Einladung des Deutschen Bundestages die Hauptstadt besucht. Und wie fast jeder hohe Gast aus der Türkei auf Berlin-Besuch schaute auch Arinc sich den Pergamonaltar an. Man konnte sich noch auf etwas Weiteres verlassen: Nach jedem Besuch zeigt die Hürriyet am nächsten Tag den betreffenden Politiker, der vor dem 2000 Jahre alten Bauwerk steht und es zurückfordert.

So auch bei Arinc. Zu seinem Protest schrieb die Hürriyet: „Zuerst haben die deutschen Archäologen Carl Humann und Richard Bohn zwischen 1878 und 1886 und dann zwischen 1900 bis 1913 Wilhelm Dörpfeld die Kunstschätze Stück für Stück gestohlen. Die Direktorin des Pergamonmuseums, Gertrud Platz, erklärte, dass die Restaurierung der Werke 2,8 Millionen Euro gekostet hat.“ Außerdem, argumentiert das Museum weiter, habe der deutsche Staat damals mit den Osmanen gegen Geldzahlung vereinbart, dass der Altar nach Berlin verfrachtet werden darf. Hinzu kämen die besagten Kosten der Restaurierung.

Doch nicht nur den antiken Altar will die Türkei zurück. Auch die hethitische „Sphinx von Hattuscha“ will der Parlamentspräsident wieder in seinem Land sehen. Er wolle deshalb mit einer Anfrage beim türkischen Kulturministerium klären, was für die Rückführung dieser Kunstschätze getan werde. Und sollte Russland je den Schatz des Priamos, den Schliemann einst aus Troja mitbrachte und die Russen nach 1945 als Kriegsbeute Richtung Moskau geschafft hatten, zurückgeben, steht bereits fest, wer seine sehr deutlichen Ansprüche anmelden wird: die Türkei.

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