Berlin : „Ein Imam muss ein Vorbild sein“

Kreuzberger Türken kritisieren den Prediger der Mevlana-Moschee, der die Deutschen verunglimpft haben soll

Suzan Gülfirat

Auch im „Coiffeur International“ am Kottbusser Tor hat die Predigt des Imams Yakup T., der die Deutschen verunglimpfte, Kopfschütteln ausgelöst. „Glauben Sie mir. Nur wenige, die in die Mevlana-Moschee gehen, sind der gleichen Meinung wie er“, sagt ein Besucher dieses Gebetshauses, der sich gerade die Haare schneiden lässt. Die besagte Predigt habe er nicht gehört, aber ein Freund habe ihm davon erzählt. Dennoch hat der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, dazu eine klare Meinung: „Das ist unverschämt, wenn der Imam behauptet, dass die Deutschen dreckig sind.“

Doch warum hat kein Zuhörer der Hasspredigt des Imam widersprochen? „Wer das täte, müsste doch fürchten, der Spionage bezichtigt zu werden“, sagt der Barbier des Ladens, Ali Özman (34). Und er fügt schnell hinzu: „Der Imam vertritt uns nicht. Er sagt nur seine eigene Meinung.“ Dabei blickt er aus dem Fenster, hält Ausschau nach rechts und links, als wollte er sich vergewissern, dass nicht gerade ein neuer Kunde hereinkommt.

Man kennt sich im Kiez rund um das Kottbusser Tor, mitten im Bezirk mit der höchsten Ausländerquote. Schnell spricht sich hier herum, wer wann etwas gesagt hat. Es gibt hier drei türkische Moscheen – zwei gehören zur Islamischen Föderation, die an 37 Schulen in Berlin Religionsunterricht erteilt und eine weitere der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), die sich zum Laizismus bekennt. Die wenigen Imame, die in diesen Moscheen predigen, sind wegen ihrer bezirksweiten Arbeit so bekannt, wie Yakup T. Er soll versucht haben, drogenabhängige türkische Jugendliche von der Nadel wegzubekommen, wird erzählt. „Eigentlich müsste er uns umgekehrt zur Integration in diese Gesellschaft aufrufen. Wir leben doch hier“, sagt der Friseur vom Kottbusser Tor. Währenddessen deutet er auf die deutsche Fahne und die Accessoires des Berliner Fußballclubs Hertha BSC, die an der Wand hängen. „Ich habe viele deutsche Kunden. Ich kann nicht bestätigen, was der Imam gesagt hat.“

„Darüber habe ich in der Zeitung gelesen“, sagt Hurinaz Dede (30), ganz im Gegensatz zu den meisten befragten Kreuzbergern, die die Nachricht „von Freunden“ erfahren haben. Mit ihrem gleichaltrigen Ehemann Ahmet betreibt die Mutter von zwei Kindern eine Imbissbude in der Adalbertstraße. Für die Predigt des Yakup T. zeigt auch das Ehepaar kein Verständnis. „In meiner Religion gibt es nur Liebe und Toleranz und keinen Hass“, sagt die gebürtige Berlinerin, die seit ihrem 13. Lebensjahr ein Kopftuch trägt. „Wir können nicht auf das Brot spucken, das wir durch die Deutschen verdienen“, meint ihr Ehemann. Ein Prediger müsse ein Vorbild sein.

Kellner Mehmet Can (34), der in einem Restaurant in der Adalbertstraße arbeitet, spricht offenere Worte: „Wer in Moscheen Hetzpredigten hält, gehört ausgewiesen.“ Während er das sagt, beugt er sich jedoch ein wenig zur Reporterin runter, so als wollte er nicht, dass die Kunden im Laden mitbekommen, was er sagt: „Manchmal möchte ich nicht einmal sagen, dass ich Türke bin, wenn ich höre, was meine Landsleute so von sich geben.“

Innensenator Ehrhart Körting hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen den islamischen Prediger eingeleitet. Das Ergebnis wird auch die Kreuzberger Türken interessieren.

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