Berlin : Ein Jungbrunnen am Gesundbrunnen

Die Weddinger Gartenstadt Atlantic aus den Zwanzigerjahren sieht nach der Sanierung wie neu aus

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„Hier war doch das Bad“,wundert sich Eberhard Diepgen, zeigt in einen Raum, der nun eine größere Küche ist. „Wo ist nur meine Kammer? Stand hier nicht eine Wand?“ Der ehemalige Regierende Bürgermeister geht staunend durch die Weddinger Wohnung, in der er als Kind lebte. Und den Hund der Nachbarin ausführte.

Es ist die „Gartenstadt Atlantic“, die er besucht, und die er fast nicht wiedererkennt. Ein kleiner Film, gestern in den Räumen des neuen „LichtburgForums“ an der Behmstraße vorgestellt, zeigt, wie er die Zingster Straße entlangschlendert, ihre sauberen Fassaden bewundert. Zum offiziellen Abschluss der Modernisierung und zum Mieterfest hatte sich Eberhard Diepgen überdies persönlich angekündigt, ebenso Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der seit vielen Jahren ein Freund der Gartenstadt ist.

Rund 32 Millionen Euro wurden in die 50 Häuser in der Nähe des Bahnhofs Gesundbrunnen investiert. Bauherr war die Familie Wolffsohn, der die in den Zwanzigerjahren entstandene Gartenstadt mit dem einstigen Kino „Lichtburg“ gehörte. Bis die Nazis die Anlage „arisisierten“. Die Rückgabe nach dem Krieg war mühsam. Die Siedlung mit großen grünen Höfen, entworfen vom Architekten Rudolf Fränkel, begann zu verwahrlosen. Erst 1995 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt.

Jetzt gilt sie unter Architekturexperten schon als Weltkulturerbe-Kandidatin. Rita Wolffsohn sprach von einer fünfjährigen Modernisierungsaktion, für die die Architekten Jörg und Benita Braun-Feldweg und Matthias Muffert auch logistisch herausgefordert waren. Sie modernisierten Haus für Haus, nahmen Wände für größere Grundrisse heraus (die Bäder hatten zum Teil keine Waschbecken), wechselten 3350 Fenster aus. Derweil mussten rund 500 Haushalte jeweils für zwei Monate in Ersatzwohnungen umziehen. Die Lichtburg, später „Corso“, war vor 30 Jahren abgerissen worden. Dort hatte Diepgen einst Ben Hur bewundert. Die Gartenstadt sei gelungen, sagte er. Aber das Corso fehle ihm.C. v. L.

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