Berlin : Ein Kämpfer für die grüne Kunst

Nachruf auf Martin Sperlich, den ehemaligen Direktor der Staatlichen Schlösser und Gärten

Heinz Ohff

Eigentlich war er doch wohl eher ein Dichter. Aber aus seiner Vorkriegsgeneration wurde kaum einer, was er wirklich werden wollte, und eine brotlose Kunst konnte man sich schon gar nicht leisten. Allerdings hatte Martin Sperlich einen auch heute noch unersetzlichen Vorteil, nämlich die Fähigkeit, den Künsten nicht einzeln, sondern allen gleichsam pauschal neugierig zu begegnen und sie zu genießen. Von Anfang an ging es ihm um die Verbreiterung der Kunst, nicht wie bei den meisten in nur eine, sondern in mehrere Richtungen. Was auch seinem Werdegang zugute kam: Der Ostpreuße studierte erst in Danzig ein Jahr Medizin, später folgte ein langes Studium der Kunstgeschichte in Hamburg, und dann ging Sperlich nach Berlin, wo es bisweilen derartig vielseitige Kunstleute geben soll. Das war für ihn die richtige Stadt. Obwohl ihm seine Karriere hier nicht eben leicht gemacht wurde.

Er begann 1956 als Volontär bei den Staatlichen Museen, ein Jahr darauf berief man ihn zu den Staatlichen Schlössern und Gärten. 1969 bis 1984, war er dann deren Direktor und lehrte außerdem an der Freien Universität die Wissenschaft der Gartenkunst. Um eben die Gartenkunst hat er sich die größten Verdienste erworben. Er war gewiss nicht der Einzige, der die klassischen Gärten liebte, aber er war zur Stelle, wenn ihnen Böses drohte, er kämpfte um ihre Bewahrung. So riefen ihn die Eutiner im Holsteinischen in ihren englischen Garten, der durch eine Erweiterung der Sommerbühne an Romantik zu verlieren drohte. Und Sperlich wusste Rat.

Im Jahr 2000 holten ihn die Potsdamer, denen ein Teil der klassischen Gartenlandschaft durch die Vorbereitungen zur Bundesgartenschau zerstört werden sollte. Martin Sperlich und seine Frau Cornelia kamen zu Hilfe, zusammen mit der Pückler-Gesellschaft, der er vorstand. Eine seiner großen Taten ist nur wenigen bekannt: Die einst von Lenné angelegten, so genannten Sichtschneisen von Glienicke zu den gegenüberliegenden Ufern, die in der DDR-Zeit völlig zugewachsen waren, waren plötzlich – noch zur DDR-Zeit – wieder frei. Wenn auch nur wenige Spaziergänger die neue Sicht als Errungenschaft wahrnahmen, war das doch ein heimlicher Erfolg von Sperlich hüben und seinen Gartenbaukollegen drüben.

Beim Wiederaufbau des kriegszerstörten Schlosses Charlottenburg stieß er auf Widerstand und Unmut. Die alten Deckenbilder von Pesne waren zerstört. Farbaufnahmen existierten nicht, und Sperlich beauftragte den Maler Hann Trier, einen international anerkannten Abstrakten und Professor der Berliner Hochschule der Künste, die Decken neu zu bemalen.

Er dürfte sich manchmal nach dem Leben eines Dichters gesehnt haben. So aber benutzte er seine Dichtkunst, hauptsächlich in Form von Schüttelreimen, um seinerseits Kritik, und das oft recht heftig, zurückzugeben.

Am 26. Juni ist dieser unersetzliche Kunst-Berliner gestorben.

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