Berlin : Ein Kiez will vorbeugen

Nach Mord an Christian: Zehlendorf-Süd ändert sich

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„Bei uns kann sich nichts normalisieren, weil das nie vergessen wird“, sagt Helga G. Die pensionierte Kindergärtnerin, die ihren Nachnamen nicht nennen will, meint den Mord an dem siebenjährigen Christian im August 2005 in Zehlendorf- Süd und dessen Folgen. Sie saß im Publikum einer Informationsrunde in der Kirche Schönow-Buschgraben, zu der am Dienstag Vertreter aller vier Parteien der Bezirksverordnetenversammlung luden. Was ist seit dem Mord geschehen?

„Die Krise wird als Chance begriffen“, verkündete Uwe Rosenthal vom Jugendamt Steglitz-Zehlendorf. So hat seit Jahresbeginn das Streetworkerprojekt „Streetlife“ einen festen Sitz hinter dem Jugendhaus Floyd am Teltower Damm und bietet Jugendlichen auch am Wochenende und in den Abendstunden eine Anlaufstelle. Darüber hinaus erhalten Jugendliche beim Verein „Zephir“ ein Sport- und Internetangebot, aber auch Selbstbehauptungstraining. Dadurch wollen die Einrichtungen erreichen, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Zeit sinnvoll nutzen. Dazu kommen weitere Einrichtungen und Bürgerinitiativen. So treffen die Kiezbewohner sich regelmäßig zum Runden Tisch, um gemeinsame Aktionen zu planen. Durch Vernetzung auch mit Schulen und Ämtern will man kurze Wege zur Hilfe schaffen. Generell achte man wieder mehr aufeinander. „Positiv ist, dass Eltern, die ihre Kinder früher nur rausgeschickt haben, jetzt mit am Spielplatz sitzen“, meint Helga G. Ihren Nachnamen will sie nicht geschrieben wissen, denn man wisse ja nie, was im Hausflur passieren kann, sagt sie.

Auch wenn viel Positives geschehen ist, hat sich der Mord anscheinend tief in das Bewusstsein der Bürger hineingefressen. Andreas Pahl von der Polizeidirektion vier sagt, dass Zehlendorf-Süd „sicherlich kein Problemkiez“ ist. Doch andere Gewalttaten in Berlin wie der Amoklauf eines 16-Jährigen nach der Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs, hinterlassen ein ungutes Gefühl im Publikum. Ein älterer Mann, der sich als Arzt im Ruhestand vorstellt, spricht von einer „Orientierungslosigkeit und einem Niedergang im gesellschaftlich-sozialen Bereich“. Helga G. ist das zu hoch gegriffen. Sie sieht eher „viel Kleinarbeit“ vor sich und den anderen im Kiez, damit solch ein Verbrechen nicht wieder geschieht. „Die, die es nötig haben, erreicht man am schwersten“, sagte Dagmar Hillert von Zephir. Ken M. hätte eine bessere Betreuung benötigt. Jetzt erwartet der geständige Mörder sein Urteil voraussichtlich für den 13. Juni. mj

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