Berlin : Ein Kilometer kostet 130 Millionen Umweltschützer wollen vor Gericht ziehen

ABRISS

Vier Gründerzeithäuser, Beermannstraße 18 bis 22, jeweils mit Seitenflügel und Hinterhaus, rund 200 Wohneinheiten, stehen der Autobahn im Weg. Drei Häuser sind im Privatbesitz und erst vor wenigen Jahren aufwendig saniert worden. „Da wurden Millionen von Euro reingesteckt“, sagt Hausmeister Lutz Dietrich. Dieser Aufwand muss nun entschädigt werden.

Als die Häuser Anfang des Jahrtausends zum Verkauf standen – damals angeblich im nahezu baufälligen Zustand –, hätte der Bund sie billig erwerben können, aber die zuständige Bundesfernstraßenverwaltung lehnte ab. „Es gab noch keine feste Planung. Dann erwirbt der Bund nur in Ausnahmefällen Immobilien“, sagt Katrin Vietzke von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Es sei aber auch so „kein großer finanzieller Schaden entstanden“. Ein Teil der Sanierungskosten sei schon durch die Mieteinnahmen kompensiert worden. Die Häuser sollen möglichst im nächsten Jahr vom Bund gekauft und unter der Regie des Berliner Senats „entmietet“ werden. Für den Erwerb von Grundstücken sind insgesamt 55 Millionen Euro veranschlagt.

PROTEST

Ein Bündnis aus Umweltverbänden und Bürgerinitiativen will die Autobahn gerichtlich stoppen. Die Umweltschützer argumentieren vor allem mit der steigenden Verkehrsbelastung am Endpunkt der Autobahn am Treptower Park. Dort wird sich die Zahl der Fahrzeuge verdoppeln. Aber auch die Kosten – insgesamt 420 Millionen Euro – erscheinen den Gegnern zu hoch. Mit 130 Millionen Euro pro Autobahnkilometer wäre der Ausbau der A 100 deutlich teurer als der wegen zu hoher Kosten beerdigte Transrapid in München – der hätte 90 Millionen Euro pro Kilometer gekostet. Informationen im Internet: www.keineautobahntreptow.de

RADFAHRER

Von der Autobahn sollen auch Radfahrer profitieren. Neben der Trasse wird ein Asphaltweg für Radler und Skater entstehen, ähnlich wie an der A 113 nach Schönefeld. Der Weg führt entlang der Autobahn vom Dreieck Neukölln zum Treptower Park und erhält einen Anschluss an den Weg auf dem alten Görlitzer Bahndamm, der nach Kreuzberg zum Görlitzer Park führt. Als Ausgleich für die Eingriffe in die Natur wird in Pankow ein Grünzug auf dem Mauerstreifen angelegt. Als Ersatz für zerstörte Kleingartenparzellen sollen 100 Kleingärten neu angelegt werden.

AUSLEGUNG

Die öffentliche Auslegung der Planungsunterlagen – vorgesehen in diesem Frühjahr – verzögert sich bis zum Herbst. „Wir müssen noch die neue Verkehrsprognose für das Jahr 2025 abwarten“, sagt Katrin Vietzke von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die Prognose sollte eigentlich schon im Herbst 2007 fertig sein. Die aktuellen Verkehrsberechnungen reichen nur bis ins Jahr 2015. Größere Verschiebungen, die das Autobahnprojekt infrage stellen könnten, werde es aber nicht geben, versichert Vietzke. loy

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