Berlin : „Ein Kind ist wirklich ein Geschenk des Himmels“ FRIEDEL DRAUTZBURG (67)

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Da Sie auf dem Handy anrufen, erwischen Sie mich zufällig gerade auf dem Jakobsweg, der alten Pilgerstraße nach Santiago de Compostela.

Dahin gehe ich schon zum dritten Mal in Folge, um Danke zu sagen für mein erstes Kind, das ich im Alter von 60 Jahren bekommen habe.

Die Diskussion bei uns läuft doch mit ganz den falschen Begriffen. Karrierehindernis, Finanzrisiko, das sind mörderische Wörter, die an der Sache völlig vorbeigehen.

Wir unterschlagen immer, dass ein Kind das größte Glück und ein wirkliches Geschenk des Himmels ist. Ich habe noch nie jemanden kennen gelernt, der das hätte rückgängig machen wollen.

Das Glück, das man empfindet, wenn ein Kind, dem man etwas vorliest, einen anschaut, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Meiner Tochter habe ich versprochen, ihr, wie in den vergangenen beiden Jahren auch, vom Jakobsweg ein Tagebuch mitzubringen über den Reisenden Marcelino, der im Wald die Pilger versorgt mit Nüssen und Pilzen.

Wer damit kokettiert und stolz ist, keine Kinder zu haben, ist unfassbar dumm. Späte Väter sind fanatische Väter, klar, aber sie sind auch viel sensibler für das Geschenk, viel aufmerksamer, dankbarer, gelassener, gebildeter, informierter.

Vor dreißig Jahren wäre ich wahrscheinlich ein unmöglicher Vater gewesen. Und doch: Wenn ich noch mal von vorn beginnen könnte, hätte ich heute dreizehn Kinder. Ich war einfach unreif früher.

Über die alternde Gesellschaft mache ich mir keine Sorgen, denn ich bin sicher: Das Pendel schlägt zurück.

Die gegenwärtige Eindimensionalität geht zu Ende, und damit hört auch die Ablenkung von der Freude am Kind auf.

BERUF

Gastronom aus Berufung

LEBT IN

Berlin

FAMILIE

Ledig, eine 6-jährige

Tochter

RENTENEINTRITT

Denke nicht ans

Aufhören, weil es mir

viel zu viel Freude macht, Lebensqualität zu

verkaufen

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