Berlin : Ein kolossaler Mythos

Warum Berlin immer mehr französische Touristen anzieht. Zuletzt gab es eine Steigerung um zehn Prozent

Constance Frey

Mit Italien und den USA mag es immer mal politische Probleme geben, mit den Franzosen sind wir im Reinen. Sie lieben die deutsche Hauptstadt. Pünktlich zum heutigen französischen Nationalfeiertag gibt es bei der Berliner Tourismusbranche Anlass zur Freude an den Nachbarn jenseits des Rheins. Über zehn Prozent mehr französische Gäste als im Vorjahreszeitraum haben von Januar bis April in Berliner Hotels eingecheckt. Diese Nachricht kommt zum richtigen Zeitpunkt, denn die Berliner Tourismus Marketing (BTM) beklagt in den ersten vier Monaten des Jahres bei den amerikanischen Touristen einen Rückgang von 18,4 Prozent. Und wegen der Sars-Epidemie besuchten sogar bis zu 50 Prozent weniger asiatische Touristen die Hauptstadt.

Natascha Kompatzki von der BTM sieht einen längeren Trend bestätigt. „2002 kamen bereits fünf Prozent Franzosen mehr nach Berlin als im Vorjahr. Das Interesse wächst also weiter.“ Woran das liegt, sagt Françoise Perier, Sprecherin der deutschen Zentrale für Tourismus in Paris: „Berlin ist ein kolossaler Mythos, das liegt zum einen an Legenden wie Marlene Dietrich, und an der weltweit einmaligen Geschichte der Stadt.“ Die Franzosen haben die geteilte Stadt noch in Erinnerung und fühlen sich gleichzeitig von der jungen, innovativen Stadt angezogen. „Die Deutschen verstehen es, das Alte und das Neue auf harmonische Weise zu vereinen. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist der Reichstag.“

Mit Werbung in der Pariser Metro und im Radio hat das Pariser Büro mit dem französischen Reiseveranstalter „Nouvelles Frontières“ für einen Kurzurlaub an der Spree geworben – eine ähnliche Strategie, wie sie die BTM mit ihrer „Mir geht’s Berlin!“-Kampagne in Deutschland verfolgt. Durch günstige Angebote sollen auch Menschen mit kleineren Budgets angesprochen werden. Außerdem, sagt Françoise Perier, schreibt eine neue Generation von Journalisten in letzter Zeit begeistert von Berlin. „Die Berichte sprechen sehr viele Menschen in Frankreich an.“

Deutschland als Ganzes ist in Frankreich nicht sehr attraktiv. Daran arbeitet Françoise Perier. „Bisher wird Deutschland eher als seriöses Reiseziel gesehen, an dem Arbeitstreffen stattfinden. Die Franzosen müssen erfahren, wie schön dieses Land ist!“ Das Tourismusbüro will daher mit Reisepaketen werben, in denen im Ausland noch relativ unbekannte Städte wie Dresden vorkommen. „Dresden sagt den meisten Franzosen nicht viel, aber wenn sie erst einmal da sind, finden sie es ganz toll.“ Für die Zukunft Berlins als touristische Destination macht sich Françoise Perier wenig Sorgen. „Berlin wird mit der Osterweiterung im Herzen Europas liegen.“ Für die traditionell geschichtsinteressierten Franzosen wünscht sie sich allerdings noch ein Museum der Wiedervereinigung.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar