• Ein Kongress für alle: Zuversichtliches zum Thema Krebs Gestern waren die Mediziner noch unter sich,

Berlin : Ein Kongress für alle: Zuversichtliches zum Thema Krebs Gestern waren die Mediziner noch unter sich,

heute öffnen sich die Türen des ICC auch für Laien

Christoph Stollowsky

Vor dem Portal von Halle 17 steht der „Urolisk“ – elf Meter hoch, von Pharmafirmen bezahlt: ein Monument gegen den Prostatakrebs. Denn ganz unten, am Fuße des in Stein gehauenen, neuzeitlichen Obelisken mahnt eine Inschrift zur Tumor-Früherkennung: „Nur der Wissende kann Entscheidungen treffen“. Fotoapparate klicken, Mediziner lassen sich davor ablichten, dann streben sie einem der weltweit größten Krebskongresse an diesem Wochenende auf dem Berliner Messegelände zu. Rund 7000 Ärzte, Wissenschaftler, Pharmavertreter und Klinikmitarbeiter aus allen Erdteilen bilden sich dort unter dem Motto fort: „Verantwortung übernehmen“ – für sich und für andere.

Ganz im Sinne des Aufrufs zur Früherkennung, weshalb am Sonntag alle Berliner zu einem öffentlichen Aktionstag im ICC-Foyer eingeladen sind. Fragen zu lebensbedrohlichen Karzinomen beantworten Ärzte, Vertreter von Selbsthilfegruppen und Pharmaexperten (siehe Kasten).

Am Sonnabend waren die Fachleute aber noch unter sich und kamen dennoch oft nur schubsend voran. Vier Hallen hat die Deutsche Krebsgesellschaft als Veranstalter gemietet. Mehr als hundert Pharmafirmen, Spezialkliniken oder Selbsthilfegruppen haben Messestände aufgebaut. Und in den Seminarräumen dahinter absolvieren die Referenten einen Marathon: 500 Vorträge stehen auf dem Programm - über das kleinzellige Bronchialkarzinom, Brusterhalt- und Wiederaufbau oder die Prävention von Hauttumoren.

Drumherum sieht alles sehr optimistisch aus wie auf der Funkausstellung. Warum soll ein Kongress zu lebensbedrohlichen Krankheiten nicht bunt und zuversichtlich sein? In Halle 17 fachsimpeln Mediziner in einer der vielen Bars an den Ständen der Pharmaindustrie über Chemotherapien, versinken fast in apfelsinenfarbenen Schalensitzen aus Plexiglas und eilen über blaue Teppiche zum Gratis-Buffet: Es gibt Gummibärchen und Häppchen. Auf einer Videowand wird gerade ein krebsgeschädigtes Gehirn gezeigt– und auf den vielen Plakaten demonstrieren die Werbetexter, was man mit dem Begriff Onkologie, der Krebsmedizin, anstellen kann: „Onkoworks“, „Onkodox“.

Peter S. von der Deutschen Hirntumorhilfe hat keine Zeit zum Kaffeetrinken. Er vertritt die europaweit einzige Selbsthilfegruppe für diesen seltenen Tumor, sein Stand ist umlagert. Jürgen Truckenbrodt, Chef-Internist einer Klinik bei Leipzig, studiert nebenan Vortragsnotizen zum Magenkrebs. Und eine mongolische Ärztin erkundigt sich bei schwäbischen Medizintechnikern, wie teuer Sondengeräte zur Bekämpfung des Leberkrebses sind. Sie will diese erfolgreiche Therapie zu Hause einsetzen.

Steht die Krebsmedizin vor einem Durchbruch? „Vor zwanzig Jahren starben vier von fünf Patienten, die an Lymphknotenkrebs erkrankt waren“, sagt ein junger Assistenzarzt aus Wuppertal. „Heute ist das Verhältnis umgekehrt.“ Es gibt also Fortschritte – „aber die sind stetig und klein.“

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