Berlin : Ein Kontinent, neun Zelte

André Hellers Show „Afrika! Afrika!“ macht in Berlin Station. Übermorgen ist Premiere

Anne Haeming

Im Zelt hinter der Manege knien eine Hand voll pinkfarbener Strauße auf dem Boden, ein Elefantenkopf aus Pappmaché thront auf einem der Spinde. Die Szenerie ist noch etwas unübersichtlich. Afrika ist noch nicht ganz eingezogen.

Am Donnerstag hat André Hellers Zirkusspektakel „Afrika! Afrika!“ Premiere, bis dahin müssen noch ein paar Requisiten frisch bemalt werden, die Zeltbauten brauchen eine Feinjustierung, die Klimaanlage braucht einen Techniker. Die 150 Tänzer, Akrobaten und Sänger proben einfach weiter, was sie die vergangenen sechs Monate in den anderen deutschen Städten auf ihrer Tournee auch schon aufgeführt haben: akrobatische Stammestänze, Jonglage mit Waschschüsseln, Trommelgesänge. Afrika eben – oder das, was man sich im Westen darunter vorstellt. „Wir wollen die Lebensfreude Afrikas zeigen“, erklärt Matthias Hoffmann, der Produzent. Er muss bei der ersten Präsentation am Montag ausnahmsweise André Heller vertreten. Der große Inspirator weilt momentan Fifa-technisch in Paris, aber sein Geist schwebt über allem. Es war alles seine Idee: Die neun Zelte, die insgesamt 250 Menschen aus 15 afrikanischen Nationen, die Kunstausstellung, die Baströckchen, Zebrahöschen und Bambusstäbe, also alles, was auf die 88 Sattelschlepper der zweieinhalbstündigen Show passt.

Ein Querschnitt Afrikas sollte auf die Bühne, freundliche Bilder von leidenschaftlichen Tänzern sollten das Klischee von Kriegen und Krankheiten in den Köpfen der Menschen ersetzen.

Aber vor den Bildern kommen die Geräusche. Wer im Zelteingang die Augen schließt, kann Afrika hören. Vögel zirpen, kreischen, krächzen, dazwischen pulsieren Trommeln, die Beduinenteppiche schlucken jeden Schritt. Auf dem Weg durch die dunklen Gänge zum Bühnenzelt tönen Meeresrauschen und Möwengekreische immer lauter, bis schließlich die Musik aufbrandet und die Südafrikanerin Futhi Mhuango anfängt, auf Zulu von „Love, Peace and Happiness“ zu singen.

Auf einmal ist klar, woher Jazz wirklich kommt, auf einmal ist klar, dass nichts sinnvoller sein könnte, als Musik, Tanz und Akrobatik zusammen auf die Bühne zu bringen. „Wir tanzen, wenn wir glücklich sind, wir tanzen, wenn jemand gestorben ist, wir tanzen immer“, sagt Choreograph Georges Momboye. Er ist Enkel eines Stammeshäuptlings an der Elfenbeinküste, heute inszeniert er Opern in Paris. Für André Heller hat er Tänzer und Akrobaten aus kleinen afrikanischen Zirkusschulen und großen Dörfern zusammengetrommelt. „Die Tänze, die wir zeigen“, erzählt Momboye, „sind traditionelle Stammestänze.“ Ebenso authentisch sind die Kostüme, die Lieder und die Höhlenmalereien, die an die Zeltwand projiziert werden. Sie stammen aus Gabun, dem Senegal, Tansania oder Südafrika. „Wir fühlen uns wie eine Einheit, wir sind hier einfach alle Afrikaner“, beschreibt Sängerin Futhi Mhuango, was sie für so besonders hält.

Afrika, so sagen manche, kommt vom lateinischen Begriff „apricus“, Sonne. Andere sagen, es bezieht sich auf das Phönizische Wort für Staub, „afer“. Beides können die afrikanischen Gäste in der Berliner Hitze und auf dem staubigen Platz vor dem neuen Hauptbahnhof in Mengen bekommen, soviel ist sicher. Die Show bleibt bis Anfang September in Berlin. Tickets von 25 bis 69 Euro unter Telefon (01805) 725299.

0 Kommentare

Neuester Kommentar