Berlin : Ein krisenfestes Gewerbe: Gestorben wird immer

Bestatter aus aller Welt tauschen sich in Berlin über die Herausforderungen der Globalisierung aus. Und sie loben die Comedy-Serie „Six Feet Under“

Lars von Törne

Wie viele Menschen er schon unter die Erde gebracht hat, weiß Dirk van Vuure nicht genau. Einige tausend werden es wohl gewesen sein. Immerhin ist er seit 50 Jahren im Geschäft. Die Freude an der Arbeit ist dem 67-jährigen Bestattungsunternehmer aus dem niederländischen Hilversum trotzdem nicht vergangen. „Mein Beruf ist lebendiger als viele andere“, sagt er. Und dann erzählt der grauhaarige Zweimetermann fröhlich von der Beerdigung eines Aids-Toten, bei der es einmal besonders hoch herging. Da gab es einen bunt bemalten Sarg, viel Grabschmuck in Rosa und flaschenweise Sekt. Und am Schluss warf die Trauergemeinde statt Erdklumpen die Sektgläser auf den Sarg.

„Unser Beruf ist fast so vielseitig wie er in der Serie ’Six Feet Under’ gezeigt wird“, sagt der Niederländer. Die neue Bestatter-Comedy, die in Deutschland den Untertitel „Gestorben wird immer“ trägt, findet er „wunderbar“: „Sehr realistisch, gute Dialoge und fast so abwechslungsreich wie die Wirklichkeit.“

Dirk van Vuure und rund 100 Kollegen aus 40 Ländern sind bis heute zum dreitägigen Weltkongress der Bestatter in Berlin versammelt. Gestern begrüßte Bürgermeisterin Bärbel Schubert (SPD) die Teilnehmer in der „lebendigsten Stadt Europas“ und versprach launig: „Hier gibt es mehr zu entdecken als den Tod.“

Dass die Globalisierung auch an strukturell krisensicheren Branchen nicht spurlos vorübergeht, war in den drei Tagen oft zu hören. „Wenn jemand im Ausland stirbt, ist das eine besondere Herausforderung“, sagt Wolfgang Zocher, Bestatter aus Wuppertal und scheidender Präsident des Verbandes Fiat/Itfa (Slogan: „Connecting the global death care community“). So sind Deutsche, die in Spanien sterben, nur unzureichend präpariert, wenn sie daheim ankommen, ärgert sich Zocher. Und in Griechenland werden Leichen gar nicht balsamiert.

Interkulturelle Fragen wie diese sind es, die die Teilnehmer auch am Mittagsbüfett beschäftigen. Angeregt plaudert eine Gruppe Chinesen mit zwei Kollegen aus Paris, die ihre Kontakte nach Asien ausbauen wollen. Ein türkischer Bestatter, der jährlich rund 300 deutsche Tote überführt, verteilt seine Visitenkarte und schwärmt davon, dass man auf seiner Website den Weg der Leiche nachverfolgen kann. Und Thomas Amm, Deutschland-Chef des US–Bestattungsimperiums SCI, wünscht sich, dass sein Beruf endlich als normale Dienstleistung angesehen wird: „Wir können niemandem die Angst vor dem Tod nehmen. Aber wir können den Umgang damit einfacher machen.“

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