Berlin : Ein kühler Kopf für ein heißes Thema

Der Pragmatiker: Fabian Lenz legte einst als DJ Dick auf. Jetzt arbeitet er als Geschäftsführer der Love Parade

Matthias Oloew

Fabian Lenz macht Markenpflege. So bezeichnet er seinen Job. Er poliert jedoch weder Mercedes-Sterne noch kümmert er sich um das Image exzentrischer Modedesigner. Die Marke, um die er sich als Geschäftsführer sorgt, ist die Marke Love Parade. Seit eineinhalb Jahren macht er das, hatte sich dazu entschieden, weil er als Mit-Inhaber des Techno-Plattenlabels „Low Spirit“ – und damit als einer, der die Love Parade von ihren frühesten Anfängen kennt – sich zunehmend Sorgen um den Ruf der Parade machte. Heute ist er mit sich und seiner bisherigen Arbeit zufrieden: „Die Kritik ist nicht mehr so emotional und unfair wie vor einigen Jahren.“ Immerhin.

Fabian Lenz ist kein Prahler, nicht der Typ, der sagt: Was kostet die Welt – ich nehm’ sie. Fabian Lenz ist Pragmatiker. „Manche Leute sagen, ich sei zu ruhig, zu rational.“ Vielleicht ist es gerade das, was er in diesem Job braucht. Denn Kritik an der Love Parade gibt es noch immer und er ist nicht einer von der Sorte, der abends in die Kissen heult vor Verzweiflung. „Nee“, sagt er, „das sehe ich dann eher sportlich.“ Anerkennung ist ihm als einer der Macher der Love Parade nicht wichtig, „die habe ich nicht so nötig.“

Anerkennung hat es für ihn schließlich jahrelang gegebenen, als DJ. Mit 17 fing er an Platten aufzulegen, nannte sich DJ Dick und tourte durch die halbe Welt. Er legte auf in Europa, Amerika und Asien, schmiss dafür sein Studium und hätte sich nie gedacht, dass er aus dem heimischen Münster in Westfalen einmal so schnell Karriere machen würde. Es waren die Boom-Jahre der 90er, für seine Auftritte konnte er hohe Gagen fordern, die Plattenfirmen haben sich die Innovation Techno viel kosten lassen, und für die Love Parade, die jedes Jahr mehr junge Leute anzog, schien es keine Grenzen nach oben zu geben.

Nach 14 Jahren Auflegen war es genug. DJ Dick hörte auf, „die Platten und Anlagen in meiner Wohnung habe ich seither nicht mehr angefasst“. Das ist aber kein weiterer Beweis dafür, wie wenig emotionsgeladen er an Dinge herangeht, nein, „Ich mache lieber einen klaren Schnitt: Aus. Das war’s.“ Selbst ausgehen ist selten geworden. Das letzte Mal ist über zwei Wochen her, „Da war ich im Klub International.“

Jetzt ist er 36, verdient als Geschäftsführer der Love Parade, „nur ein Viertel von dem, was ich früher hatte“. Aber das ist es ihm wert. Denn er glaubt an die Zukunft der Parade. „International hat sie ein großes Potenzial, in Berlin müssen wir sehen, was morgen passiert.“ Soll heißen: Auch in der Krise gibt es Perspektiven.

Der Weg dahin ist steinig. Sein wichtigstes Credo: sparen. „Das Weihnachtsessen für die Kollegen habe ich selbst gekocht.“ Da saßen sie dann zusammen, in seiner Wohnung am Olivaer Platz in Charlottenburg und waren ganz besinnlich. Sein zweitwichtigstes Credo: die Love Parade als Musikveranstaltung zu profilieren. „Ich habe mir viel Ärger eingehandelt, weil ich dem 1. FC Union eine Absage geschickt habe.“ Die Fußballer wollten mit einem Wagen dabei sein. Doch Lenz winkte ab: „Das hat zu wenig mit Musik zu tun.“ Sein Job ist für ihn ein Experiment. Er fragt: Kann man die Love Parade noch retten?, und er ist optimistisch, dass er das schafft.

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