Berlin : Ein kühles Pils am heißen Pilz

Plastikzelte mit Heizstrahlern locken Café-Gäste auch im Winter nach draußen. Doch Ämter finden das hässlich und fordern: weg damit. Pro & Contra

Cay Dobberke

Draußen sitzen, essen und trinken auch im Winter – das ist der Trend in vielen Berliner Lokalen. Die als „Heizpilze“ bekannten Gasöfen machen es möglich. Anders als in den Vorjahren werden die Geräte nicht mehr nur im Herbst oder Frühjahr eingesetzt, um die Freiluftsaison um ein paar Tage zu verlängern. Immer mehr Wirte überdachen Tische und Stühle auf den Gehwegen mit Zeltkonstruktionen, um die Außenflächen selbst bei frostigen Temperaturen nutzen zu können.

Terrassenheizstrahler, wie die Öfen eigentlich heißen, leisten bis zu 13 oder 14 Kilowatt. Je nach Modell reicht eine Elf-Liter-Propangasflasche bei voller Leistung für zwölf bis 14 Stunden. Umweltexperten kritisieren das Heizen im Freien als Energieverschwendung. Manche Berliner Wirte haben zudem Ärger mit dem Ordnungsamt. Es geht um die Zulässigkeit der Zelte auf Bürgersteigen und mögliche Explosionsgefahren. In Friedrichshain-Kreuzberg wurde beispielsweise das Restaurant „Knofi“ in der Bergmannstraße aufgefordert, die Überdachung bis Januar zu entfernen. Nach unbestätigten Meldungen soll das Ordnungsamt fast 50 Bußgelder gegen Gastronomen verhängt haben. Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) will dazu nichts sagen; er ärgert sich über angeblich fehlerhafte Presseberichte.

Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) duldet Heizpilze vor Lokalen, weil sie städtebaulich gesehen mit Sonnenschirmen im Sommer vergleichbar seien. Vorzelte aber „genehmigen wir nicht“, sagt Gröhler. Trotzdem gibt es diese vereinzelt auch in der City-West – sie wurden vom Ordnungsamt wohl bisher übersehen. Der Pankower Baustadtrat Martin Federlein (CDU) sagt, nach den geltenden Vorschriften seien die Gastronomiezelte in der Regel „nicht genehmigungsfähig“. Jeder Antrag werde aber geprüft. Die Gehwegnutzung könne schließlich „belebend“ wirken und ein Zeichen dafür sein, dass „in Berlin das ganze Jahr lang Saison ist“. Nur in der Nähe von Baudenkmalen möchte Federlein keine Kunststoffzelte sehen. Der Berliner Unternehmer Michael Schulz, dessen Firma Heizpilze vermietet und verkauft, fordert „berlinweite Regelungen“. Er hat in den Lokalen von Friedrichshain-Kreuzberg eine Unterschriftenaktion gestartet. Gastronomen dürften nicht „der Willkür einzelner Ämter“ unterworfen sein.

Doch auch sicherheitstechnisch sind die beheizten Zelte bedenklich. Gasbetriebene Terrassenstrahler sind für Innenräume gar nicht zugelassen. „Dasselbe gilt für ein voll ummanteltes Zelt“, sagt Robert Rath vom Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi). Mangelnde Durchlüftung erhöhe die Explosionsgefahr, falls Gas austrete. „Die Hersteller der Heizstrahler machen Vorgaben zur Überdachung“, sagt Rath. So verlange eine Firma, dass „drei der fünf Zeltwände – das Dach eingerechnet – offen sein müssen“. Dies bedeute natürlich, dass viel Wärme entweicht. Eine Alternative seien elektrische Heizstrahler, die in Innenräumen ohne solche Einschränkungen benutzt werden dürfen. Umweltfreundlicher als Gasöfen sind die Elektrogeräte allerdings nicht.

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