Berlin : Ein langer Blick in die Augen Judith, 18, debattierte mit Präsident und Bundeskanzler

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Was Judith Rottenburg nach der Debatte mit dem französischen Präsidenten und dem Bundeskanzler am ehesten in Erinnerung behält? „Dass mir Chirac und Schröder so lange in die Augen geguckt haben. Da wird einem anders als beim Fernsehen bewusst, dass das ganz normale Menschen sind.“ Den Händedruck von Jacques Chirac, sein „Bravo!“ als persönliche Anerkennung danach – auch das wird die 18-jährige Schülerin vom Canisius-Kolleg nicht vergessen. 500 Jugendliche waren zum fünftägigen Parlament des Deutsch-Französischen Jugendwerks ins Haus der Kulturen der Welt geladen. Während der Abschlussdebatte im Kanzleramt wurden vier Jugendlichen Redebeiträge eingeräumt - die Kreuzbergerin in der 12. Klasse war die einzige Berlinerin.

Aufgeregt? „Nein, im Saal war eine angenehme Atmosphäre.“ Obwohl. „Als ich die anderen in der ersten Reihe mit ihren perfekt ausgedruckten Reden gesehen habe“, da fühlte sich die Schülerin mit den Leistungskursen Deutsch und Französisch schon unwohl. Ihre Ansprache hatte sie auf einen Zettel gekliert, das Wichtigste rosa angemarkert und schnell noch die Passagen weggeknickt, die sie aussparen wollte.

Dann ging es los. „Der rote Teppich lag schon, die beiden kamen mit dicken Autos.“ Den Staatspräsidenten hätte Judith fast nicht erkannt. „Chirac sieht aus wie ein ganz normaler Opa in der U-Bahn.“ Dann trug Judith die Forderungen aus dem Kultur-Ausschuss vor. „Kunst ist das, was Menschen wirklich verbindet“, sagte die 18-Jährige, die Malerin werden möchte. Ihre Bitte: Die Politik müsse eine Koordinierungsstelle zugunsten deutsch-französischer Projekte einrichten. „Eine andere Forderung von uns nach einem Feiertag mit schulfrei haben Schröder und Chirac ja schon angenommen“, ist Judith überzeugt. Doch da täuscht sie sich: Der 22. Januar, so der Beschluss, wird Ehrentag, mit Schulpflicht – pardon.

Auf ihre Frage, welche Unterschiede zwischen den beiden Kulturen Schröder und Chirac sehen, antworten sie unisono, dass es doch um Gemeinsamkeiten gehe. Judith: „Dabei machen Unterschiede Menschen erst interessant.“ Autogramme wollte sie nicht. Da sind ganz andere bleibende Erinnerungen: Das Schuljahr in Frankreich, während dessen sie in einem Mädchenheim wohnte. Und dieser Ring, den sie auf der Straße fand. „Mein Ehering mit Paris.“ kög

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